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Kjartan

Der Schamane auf dem Heuberg
Der Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel im Lonetal bei Ulm ist eine 31,1 cm große und 35.000 bis 41.000 Jahre alte Skulptur aus Mammut-Elfenbein, die einen Menschen mit dem Kopf und den Gliedmaßen eines Höhlenlöwen darstellt. Die Skulptur stammt aus der jungpaläolithischen Kultur des Aurignacien und gehört zu den ältesten bekannten Kleinkunstwerken der Menschheit. Foto: Thilo Parg / Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Der Wind auf dem Großen Heuberg pfiff anders an diesem Abend – nicht wie das übliche Heulen in den Fichten, sondern wie ein tiefes, kehliges Singen. 
Kjartan stand am Rand des „Hexentanzplatzes“, einer kargen Lichtung, auf der das Gras seltsam flach gedrückt war, als hätten dort erst vor Minuten unsichtbare Füße gewirbelt. Man sagte, die Hexen der Alb würden hier die Funken in den Himmel jagen, doch heute gehörte der Berg der Stille.
Der Schamane trug einen Mantel aus schwerem Filz, behangen mit kleinen Knochen von Reh und Marder. Er suchte nicht die Ekstase der Tänze, sondern die Wurzeln der Welt. Er kniete nieder und legte seine Handflächen auf den kalkhaltigen Boden. Der Heuberg war ein Skelett aus Stein, und Kjartan wollte den Herzschlag des Berges hören.
Er schloss die Augen. Plötzlich veränderte sich die Wahrnehmung. Der Boden unter ihm wurde transparent wie Glas. Tief im Inneren des Berges sah er die gewaltigen Höhlensysteme der Schwäbischen Alb, die wie die Lungen eines schlafenden Riesen atmeten.
Doch da war noch etwas anderes. Anstatt der erwarteten Hexenlichter sah er blaue Fäden, die aus dem Boden nach oben stiegen – die Ahnengeister der alten Jäger, die schon vor Jahrtausenden durch diese Wälder gezogen waren. Sie tanzten nicht, sie webten. Sie verknüpften die Vergangenheit mit dem Wind von morgen.
Kjartan nahm seine Trommel, bespannt mit der Haut eines alten Hirsches. Der erste Schlag hallte trocken über die Hochfläche.
Die blauen Fäden erzitterten. Beim zweiten Schlag begannen sie, sich um Kjartan zu wickeln. Er spürte die Kälte der Eiszeit und die Hitze der Sommertage von vor tausend Jahren. Er war kein Eindringling auf dem Platz der Hexen; er war der Zeuge, der die Geschichten des Berges empfing, damit sie nicht im Nebel vergessen wurden.
Als der Morgen graute und der erste Frost die Wacholderbüsche versilberte, war Kjartan verschwunden. Nur ein kleiner Kreis aus hellen Kalksteinen lag nun dort, wo er gekniet hatte – genau in der Mitte des Tanzplatzes, als stiller Gruß an die Mächte, die dort oben zu Hause sind.

Anschließend unternahm Kjartan eine Reise zu den „magischen Orten“ und besuchte Plätze, die oft mit Mythen, Kraftorten oder der Naturgeschichte der Region verknüpft sind. Der Heuberg ist besonders bekannt für seine „Region der 10 Tausender“ – die höchsten Gipfel der Alb. Zu den wichtigsten Zielen auf Kjartans Route gehören: Der Lemberg: Mit 1015 m der höchste Berg der Schwäbischen Alb und ein zentraler Punkt für Wanderungen zu mystischen Aussichtspunkten.

Das Klippeneck: Bekannt für seine markante Felskante und als Ort mit besonderer energetischer Ausstrahlung. Der Dreifaltigkeitsberg: Ein bedeutender Wallfahrtsort bei Spaichingen, der für viele Besucher spirituelle Kraft besitzt. Mystische Felsformationen: Orte wie der Kehlen oder der Hummelsberg, das Heidentor oder die Teufelskanzel, die durch ihre schroffen Kalkfelsen oft Schauplatz lokaler Legenden sind. Diese Orte werden oft als Kraftorte beschrieben, denen eine beruhigende oder stärkende Wirkung zugeschrieben wird.

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