Von Römern und Deutschen
Von RAINER K. KÄMPF
Als sich vor vielen Jahren das große römische Reich in seine einzelnen Bestandteile auflöste, so sagt man, ging das einher mit einer erschreckenden Dekadenz der Biorömer.
Für Anhänger der These, daß sich Geschichte wiederholen mag, scheint es beruhigend, daß an Deutschland nicht mehr allzu viel Substanz zu filetieren ist. Von Bayern mal abgesehen.
Was den Vorwurf der Dekadenz betrifft, stehen wir dem alten Rom in keiner Weise nach. Und noch etwas: Ein wesentlicher Sargnagel für die Nachkommen Julius Cäsars war der Unfug, massenhaft Barbaren einzurömern, die zwar diese Ehre mit allen Vorteilen gern annahmen, dessen ungeachtet die Stammeszugehörigkeit jenseits von Rhein und Hadrianswall weiterhin Priorität hatte. Hermann der Cherusker dient seit jeher als Paradebeispiel für diese feindliche Übernahme.
Früher oder später blieb es nicht aus, daß die barbarische U-Boot-Flotte den vergreisten Senatoren das Heft aus der Hand und den Staat übernahm. Bis hierher zur Ultrakurz-Replik.
In unseren Tagen ist es so, daß mangels großflächig bewaldeter Täler auch außerhalb des Teutoburger Forsts die Protagonisten einer aufgelockerten Bevölkerungsstruktur auf übersichtliche Aktionsräume ausweichen.
Dank des freundlichen Entgegenkommens der Deutschen, das wichtige Merkmal eines Staates, nämlich die zu seinem Schutz ausgerichtete Staatsgewalt sträflich zu vernachlässigen, werden heute keine Kohorten im dichten Wald attackiert, sondern gleich diejenigen, die eine freie Entfaltung der Angreifer zur Staatsräson erhoben.
Vielleicht geht das schneller mit dem Zerfall der Wirtsgesellschaft und ist nicht ganz so brachial. Wir sind auch nicht so leidensfähig wie die Römer.
(pi-news.net)
