Scheich zahlt Hotel und Verpflegung
Von MEINRAD MÜLLER
Tausende Flüge ab Dubai sind gestrichen, der Luftraum über Teilen der Region ist wegen des Krieges im Iran dicht, mehr als 20.000 Reisende sitzen fest. Was nun?
Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt eine Ansage mit Seltenheitswert: Niemand wird vor die Tür gesetzt. Der Staat zahlt. Der Mann, der politisch den Ton angibt, ist Mohammed bin Rashid Al Maktoum – Herrscher von Dubai. Und der Scheich hatte, man muss es so sagen, eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Idee.
Wegen der massiven Flugausfälle im gesamten Golfraum strandeten Urlauber, Geschäftsreisende, Familien. Koffer gepackt, Rechnung bezahlt – und plötzlich kein Abflug mehr. Statt Chaos erging eine klare Anweisung: Hotels dürfen Gäste nicht auschecken lassen, wenn sie nicht abfliegen können. Verlängerung? Ja. Diskussion? Nein.
Nicht auschecken, die Regierung von Dubai bezahlt alles
Die offizielle Bestätigung kam von der Luftfahrtbehörde, der General Civil Aviation Authority: Der Staat übernimmt sämtliche Kosten für Unterkunft und Verpflegung betroffener Passagiere. In Abu Dhabi verschickte das Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi eine Direktive per Email an jedes Hotel im Emirat: Aufenthalte verlängern, Rechnung an uns. Dubai schloss sich an.
Nicht nur Behörden reagierten. Ferienwohnungsanbieter in Dubai stellten kostenlos Appartments bereit. Innerhalb weniger Stunden schlossen sich über 250 Gastgeber an. Kein Marketing-Gag, sondern praktische Solidarität – und natürlich ein Bild, das um die Welt geht.
Imagepflege? Ja. Aber clever
Man darf das nüchtern betrachten: Das ist auch strategisch brillant. Wer in der Krise Sicherheit bietet, kauft Vertrauen. Wer Reisende schützt, stärkt seine Marke. Während andernorts gestritten wird, demonstriert Dubai und die VAE Handlungsfähigkeit. Für die Gestrandeten bedeutet das: klimatisiertes Zimmer statt Terminalboden, All-inklusive-Büffet statt Frust.
Und für Angehörige zuhause? Eine unerwartet beruhigende Nachricht.
(pi-news-net)
