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Zahlmeister Europas

Land der ökonomischen Analphabeten

Von PROF. EBERHARD HAMER

Das Mittelstandsinstitut Niedersachsen hat gerade wieder einen Aufruf an die Politik verfasst, endlich durch ein Fach „Wirtschaft“ in den Schulen über die Grundbegriffe unserer Wirtschaft aufzuklären.

Vergangene Befragungen haben nämlich gezeigt, dass mehr als 70 Prozent unserer Bevölkerung nicht wissen, was Gewinn ist. Sogar 86 Prozent wussten nicht, wie viel Durchschnittsgewinn die Unternehmen erzielen und mehr als 50 Prozent wissen nicht, wie hoch ihr persönlicher Steuersatz ist oder welche Sozialabgaben sie zahlen. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung wissen nicht, dass die Oberschicht und die Konzerne durch Steuerflucht nur 17 Prozent aller Abgaben mittragen, die Unterschicht aber mehr Sozialleistungen bekommt, als sie selbst tragen kann, so dass die fleißige Mitte zu netto über 80 Prozent nicht nur die öffentlichen Abgaben aller Ebenen bis zur EU, sondern auch die Subventionen an die Oberschicht und die Transferleistungen an die Unterschicht zahlen muss.

Weil die meisten Menschen von den wirtschaftlichen Grundbegriffen und Zusammenhängen keine Ahnung haben – auch viele Politiker nicht – werden dann immer wieder wirtschaftlich völlig unsinnige Vorschläge diskutiert, wie ein Mindesteinkommen ohne Arbeit, unbegrenzte Aufnahme von Sozialimmigranten, überstürzte Energiewende, Wohnraumsozialisierung oder die teure europäische Finanz- und Sozialumverteilung.

Ökonomische Halb- oder Unbildung ist gefährlich
Wenn ökonomisches Unwissen auch noch mit gutem Willen verbunden ist, wird es politisch besonders gefährlich, weil dann falsche ökonomische Vorstellungen moralisch verkauft werden. Hätten die Menschen dagegen Grundkenntnisse über die ökonomischen Zusammenhänge, Gesetze und Konsequenzen, würden sie unökonomischen oder sogar ökonomisch widersinnigen politischen Parolen nicht folgen.

Nicht nur gesellschaftlich und politisch ist ökonomische Halb- oder Unbildung gefährlich, sondern auch zum Schaden der Menschen in ihrem Privatleben, zum Beispiel:

Hätte eine wirtschaftliche Schulbildung die Menschen darüber aufgeklärt, dass die Geldmenge sich in den letzten 40 Jahren verfünfzigfacht, das Sozialprodukt aber nur vervierfacht hat, dass wir also in einer künstlichen Geldblase mit gestauter Inflation und entsprechend faulen Krediten und Schulden leben, dass also unser Wohlstand nicht echt, sondern wie bei Wechselreiterei nur künstlich und begrenzt ist, würde jeder sich auf eine Korrektur einrichten, versuchen, aus Geldwerten rechtzeitig in Sachwerte zu flüchten. Weil sie dies nicht tun, werden sie schon bald den Schaden haben.

Geld kann nicht beliebig vermehrt werden
Wer in der Schule gelernt hätte, dass Geld nicht beliebig vermehrt („gedruckt“) werden kann, ohne dass der Geldwert sinkt, würde damit rechnen, dass sein erspartes Kapital – insbesondere bei Nullzinsen – im Wert zusammenschmilzt und würde sich nicht von den Verlockungen der Finanzindustrie in Aktien und andere Finanzanlagen treiben lassen. Die trotz Nullzinsen ungebremste Sparwut der Deutschen zeigt so eine Unkenntnis der Währungs- und Finanzzusammenhänge und hat die Sparer schon bisher mehr als 60 Mrd. Euro gekostet.

Wer Grundkenntnisse der Finanzierung gelernt hätte, wüsste, dass künftige Renten nicht nur von der Stabilität des Geldwertes, sondern auch vom Verhältnis von Zahlern und Empfängern in der Bevölkerung abhängen. Beide Voraussetzungen sind aber inzwischen trügerisch. Der Geldwert schwindet mit wachsender Geldmenge. Künftige Renten werden also entwertet.

Vorsätzlicher Rentenbetrug
Dazu wird das Verhältnis von Zahlern zu Rentenberechtigten dramatisch ungünstiger von jetzt 1:2 auf 1:1 in 2050, weil die Zahler weniger und die Rentenberechtigten durch die Bevölkerungsstruktur, durch politische Manipulation (Vorruhestand) und durch Massenimmigration von Millionen zusätzlichen Rentenberechtigten immer ungünstiger werden.

Die Aufforderung der Finanzindustrie und des Staates insbesondere an die jungen Menschen, immer mehr für eine Rente einzuzahlen, ist deshalb vorsätzlicher Rentenbetrug, weil die derzeitigen Rentensparer für heutige fremde Rentner zahlen, jedoch nicht damit rechnen dürfen, dass sie später bei weniger Zahlern und doppelt so viel Rentnern selbst noch gleiche Renten bekommen würden. Voraussichtlich kann später jeder nur noch die Mindestrente bekommen. Dann fühlen sich die Rentner mit Recht getäuscht bzw. in ihrer Unwissenheit betrogen.

Im Europa-Wahlkampf haben die Spitzenkandidaten versprochen, „die soziale Einigung Europas“ voranzutreiben, indem sie die bisher noch nationalen Sozial- und Finanzbereiche zur Finanz- und Sozialunion zusammenfassen. Die Mehrheit unserer Bevölkerung findet dies gut, obwohl sie dadurch selbst geschädigt werden wird.

Deutsche mit der höchsten Steuerlast
Die Deutschen leisten sich nicht nur die höchsten Sozialkosten (Sozialabgaben), sondern auch das üppigste Sozialsystem in Europa (ca. 1.000 Mrd. Euro). Der europäische Sozialbedarf für Renten, Arbeitslosenunterstützung, Gesundheitssystem hat gegenüber dem deutschen dramatische Differenzen. Würden nach den Vorstellungen der Eurokraten die Sozialsysteme „harmonisiert“, sollen alle die gleiche Sozialversorgung haben, also die Defizitländer auf deutsche Kosten angehoben werden, unsere dagegen sinken.

Das gilt auch für die versprochene „Finanzunion“. Diese würde bedeuten, dass wir unsere Guthaben im Target und der EZB gegen die Schulden der südeuropäischen Pleiteländer verrechnen und dass die Deutschen mit der höchsten Steuerlast die Defizite der Niedrigsteuerländer ausgleichen müssen.

In beiden Fällen geht die Vereinheitlichung auf Kosten der Deutschen – und dennoch wählen sie diese Politiker und deren Politik.

Ideologische Energiewende
Die Grünen behaupten, dass der Klimawandel menschengemacht sei und dass unsere nationale Politik dies steuern könne, obwohl Deutschland weniger als 0,6 Prozent Einfluss auf das Klima hat. Deshalb wurden in einer ideologischen Energiewende unsere billigen und bewährten Energieträger verteufelt, dagegen neue unsichere mit hohen Subventionen geschaffen, so dass die Energiepreise in Deutschland nun höher sind als irgendwo in der Welt (mit Folgen für die Einkommen und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit).

Ebenso wurde auf US-Wettbewerbsdruck die weltführende deutsche Dieseltechnologie bei PKWs verteufelt, obwohl die LKWs ein Mehrfaches an CO2 ausstoßen und die amerikanischen Benzinschlucker mehr Umweltschäden produzieren als viele unserer Dieselmotoren. Es ging offenbar nicht um Umwelt, sondern um internationalen Wettbewerbskrieg gegen die führende deutsche Automobilindustrie.

Die grünen Ökoträumereien auf Kosten der Bürger gehen weiter mit mehr Ansiedlung von Wölfen, Luchsen, Bibern u.a., Verzicht auf Borkenkäferbekämpfung, Verkehrs- und Bauverhinderung aus angeblichem Artenschutz u.a. Für alle diese Kosten müssen nicht nur die Betroffenen, sondern letztlich alle Bürger zahlen.

Deutschland hat Grenzen für Analphabeten und Qualifikationslose geöffnet
Wer in der Schule Marktwirtschaft gelernt hätte, wüsste, dass auch in der Wohnungswirtschaft Angebot und Nachfrage statt Staatsplanung gelten und dass deshalb Enteignungen völlig sinnlos sind, wenn man gleichzeitig jährlich mehr als eine halbe Million Zuwanderer ins Land holt, denen nach unseren Gesetzen Wohnraum zusteht. So ist der bis 2015 vorhandene Wohnraumüberschuss aus der Bevölkerungsstrukturentwicklung und Massenimmigration plötzlich zur Wohnungsknappheit umgeschlagen, hat sich die stürmische Nachfrage nach Wohnungen in Immobilienpreis- und Mietensteigerungen ausgewirkt und schimpfen die gleichen Leute, welche Massen von ausländischen Wohnungsberechtigten ins Land holen, darüber, dass dadurch in den von den Einwanderern bevorzugten Ballungsgebieten wachsender Mangel an Sozialwohnungen besteht.

Marktwirtschaftlich orientierte Länder lassen nur Immigranten ins Land, die sich selbst ernähren wollen und können, nicht aber der einheimischen Bevölkerung zur Last fallen. Deutschland dagegen hat die Grenzen für Analphabeten und Qualifikationslose geöffnet, die zu 70 Prozent nie einer Arbeit nachgehen können oder wollen, aber nach unserer Rechtsprechung sofort volle Sozialrechte, Gesundheitsversorgung und Rentenansprüche haben. Diese steigenden Sozialkosten konnten bisher nur im künstlichen Boom zusätzlich getragen werden, dürften dagegen im kommenden Crash – wenn die Arbeitsquote fällt und die Sozialquote noch kräftiger steigt – zu sinkender Sozialversorgung und zum gesellschaftlichen Kampf um die Sozialleistungen führen. Gerade die Transferleistungsempfänger der unteren Bevölkerungsschichten, welche heute noch den Zuzug der Sozialimmigration mehrheitlich befürworten, werden künftig die Hauptleidtragenden dieser Fehlsteuerung werden – weil sie solche einfachen ökomischen Zusammenhänge bei ihren Sozialgefühlen nicht berücksichtigt haben.

Hätten wir eine ökonomisch zumindest in den Grundzügen vorgebildete Bevölkerung, hätten wir nicht nur eine auf unsere Wohlfahrt statt auf fremde Interessen gerichtete Politik der herrschenden Parteien, sondern hätten auch ein anderes Verhalten der Bürger und Wähler zu unwirtschaftlichem oder sogar wirtschaftlich betrügerischem Verhalten unserer Regierenden, weil es uns eben selbst betrifft.

Wirtschaftliche Grundkenntnisse durch die Schulen fehlt
Statt Umweltangst und Genderwahn sollten also in unseren Schulen ökonomische Grundbegriffe und Zusammenhänge gelehrt werden, so dass niemand die Schule verlässt, ohne die ökonomischen Grundbegriffe, Zusammenhänge und Folgen zu kennen.

Hätten unsere Bürger wirtschaftliche Grundkenntnisse durch die Schulen, würden auch die Talk-Shows nicht mehr mit flachen Mainstreamthemen und Schlagworten auskommen, sondern müssten sie die ökonomischen Zusammenhänge diskutieren, würde also auch die Nachfrage nach ökomischen Themen von der Publizistik verstärkt. Da wir nun einmal alle von der Wirtschaft leben, müssen wir wirtschaftliche Vor- und Nachteile für unser Volk und für uns persönlich zumindest beurteilen können, wenn sie diskutiert werden. Und wir sollten auch wissen, wer letztlich die Folgen von politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen zu tragen hat und nicht – wie die Kirchenfunktionäre – für die Zuwanderung von Moslems kämpfen, obwohl sie die Kosten dafür selbst nicht tragen, sondern uns anderen auflasten wollen.

Die Wirtschaftsverbände und insbesondere der Mittelstand fordern schon lange, dass Ökonomie als Fach in den Schulen gelehrt wird. Auch die Finanzindustrie sieht in dem Finanzunwissen der Erwachsenen ein Versäumnis der Schulen und deshalb die Gefahr vieler Fehlinvestitionen der Menschen. Bisher hat sich leider die Gewerkschaft als Bremser gezeigt.

Zeit des Schlaraffenlandes geht gerade vorbei
In Baden-Württemberg ist Ökonomie inzwischen für alle 8. Klassen Pflicht. In NRW ist man ebenso dabei, den Stundenplan um Ökonomie zu erweitern, zuerst für die Gymnasien, später auch in allen anderen Schulen.

Da der Wohlstand von uns allen Menschen heute von dem Verhalten unserer Zentralbank, den staatlichen Schulden, der Zerstörung unserer Währung, einem möglichen Crash, Massenansturm auf unser Sozialsystem, von der Erhaltung unseres Wirtschaftspotenzials und unserer führenden Wirtschaftsbereiche, von den Bedingungen unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, aber auch von unserem eigenen privaten wirtschaftlichen Verhalten abhängt, sind wirtschaftliche Grundsatzkenntnisse heute unerlässlich und müssten sie allen Menschen rechtzeitig – also in der Schule – vermittelt werden.

Die Zeit des Schlaraffenlandes geht gerade vorbei. In wirtschaftlich härteren Zeiten werden sich diejenigen am besten behaupten, welche wirtschaftliche Kenntnisse und wirtschaftliche Eigeninitiative haben.

Dynamische Wirtschaft entsteht durch Vorkämpfer und Unternehmer
Es war deshalb auch falsch, dass wir unsere Schulen, Medien und gesellschaftlichen Bedingungen auf die 88 Prozent abhängig Beschäftigten konzentriert und den eigentlichen Motor unserer Wirtschaft, die 12 Prozent Unternehmer, dagegen publizistisch diffamieren lassen haben. Eine dynamische Wirtschaft entsteht nicht durch Mitläufer, sondern nur durch Vorkämpfer, Unternehmer. Das Mittelstandsinstitut Niedersachsen hat bewiesen, dass Unternehmer gezielt herangebildet werden können. Wir könnten also die doppelte oder dreifache Zahl von Unternehmern haben, wenn wir mehr Ausbildung zur Selbständigkeit schon in den Schulen und Hochschulen betreiben würden und wenn unsere Publizistik unternehmerfreundlicher wäre.

In unseren Schulen muss also die bisher wirtschaftsfremde Ausbildung korrigiert und Wirtschaft gelehrt werden, um unsere Zukunft wirtschaftlich zu sichern.
(pi-news.net)

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