Ein Staat, der die Reichen bekämpft, vernichtet ökonomische Grundlagen
Von RAINER K. KÄMPF
Nachdem Friedrich Merz am Sonntag bei Caren Miosga verkündete, er habe „keine Vollmacht, die CDU umzubringen“, springt ihm sein Kanzleramtschef Thorsten Frei in die Bresche. Eins muß man den Unionern ja lassen: Sie pflegen bedingungslose Kameradschaft. Was der eine nicht zerkloppt kriegt, reißt der andere mit dem Hintern ein.
Dem interessierten Betrachter kommt der Gedanke auf, daß Merzens Truppe bis zur Wahl Ulrich Siegmunds (AfD) zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt den eigenen Wahlverein bundesweit unter 20 Prozent drücken will. Sei es drum. Die Chancen sind groß.
Dabei erweist sich Thorsten Frei als äußerst nützlich. Es kann ja auch nicht schaden, denkt er sicher, dem schwarz lackierten, grünen Kern der Christsozialen ein gewaltiges Häppchen radikallinker Enteignungsphantasien beizumischen.
Das hat von jeher Tradition. Seitdem der Mensch die Erkenntnis umsetzte, Besitz und Kapital zu akkumulieren, gab es Bestrebungen, das wieder zu korrigieren. Mitunter wurden Kriege geführt, um zu bekommen, was ein anderer hatte. Das durchaus bewährte System der Plünderungen setzte sich über die Jahrtausende durch und fand im europäischen Raum während des 30-jährigen Krieges seine historische Hochzeit. Die Sache hatte nur einen Schwachpunkt: Es war allzu nachhaltig, da sämtliche Grundlagen, die für Entstehung von Besitz und Werten nötig waren, vernichtet wurden.
1848 wurden nach Karl Marx subtilere Methoden präferiert. Die weit weniger brachiale Enteignung von Besitz und Kapital in all ihren Varianten und jeweiligen Modifikationen. Auf der einen Seite die Möglichkeit der schnöden Expropriation des Subjekts, sozusagen die Hardcore-Variante für Pragmatiker der reinen Lehre, oder eine nuancierte Spielart der Besteuerung.
Das Ergebnis wird jeweils gleich sein. Und genau das ist auch das Problem der Linken: Sie sind einfach nicht in der Lage, zu lernen, weder aus der Geschichte, noch aus ihren eigenen Fehlern.
Als zum Beispiel im revolutionären Rußland während der Zeit des Kriegskommunismus ab 1918 Enteignungen im großen Stil stattfanden, kamen die Bolschewiki schon 1920 zu der Erkenntnis, daß sie sich so selbst das Wasser abgruben. Es ging rasant schnell, daß keine Reichen mehr zum Enteignen zur Verfügung standen. Es wuchsen auch keine mehr nach. Zumindest nicht in Rußland, da jeder, der weiterhin reich sein wollte, nach Frankreich türmte, zum allgemeinen Wohlgefallen der Franzosen. Lenin kam dann mit seiner Neuen Ökonomischen Politik zu spät.
Ein Staat, der die sogenannten Reichen bekämpft, und deren Leistung, Kreativität, Fleiß und wirtschaftliches Engagement systematisch ad absurdum führt, vernichtet im gleichen Zug die ökonomischen Grundlagen seiner selbst.
(pi-news.net)
