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„Getötete Demonstrierende“

Sprachmacht statt Sprachpräzision - ein Symptom öffentlich-rechtlicher Ideologie

Von David Cohnen

Die Verwendung der Formulierung "getötete Demonstrierende" in einer Nachricht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist kein harmloser sprachlicher Ausrutscher, sondern Ausdruck eines tieferliegenden Problems: einer linksideologisch geprägten, belehrenden und vorschreibenden Sprachpraxis, die den journalistischen Auftrag zunehmend verdrängt.

Der Begriff "Demonstrierende" ist kein neutraler Ersatz für "Demonstranten". Er ist ein substantiviertes Partizip, das einen laufenden Zustand beschreibt. Getötete Menschen befinden sich jedoch nicht mehr in einem Zustand des Demonstrierens. Der sprachliche Widerspruch ist offensichtlich - und dennoch wird er in Kauf genommen. Nicht aus Unkenntnis, sondern aus ideologischer Absicht. Denn "Demonstrierende" dient primär dazu, das grammatische Maskulinum zu vermeiden und eine geschlechterpolitische Agenda durchzusetzen. Sprachliche Klarheit wird geopfert, um normativ korrekt zu erscheinen.

Damit überschreitet der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Grenze. Er berichtet nicht mehr, er erzieht. Er beschreibt nicht mehr, er setzt Vorgaben. Aus einer durch Gebühren finanzierten Institution wird ein Akteur, der seine Machtposition nutzt, um demjenigen, der ihn bezahlt, vorzuschreiben, wie gesprochen, wie gedacht und letztlich wie bewertet werden soll. Das ist kein Journalismus, das ist Sprachlenkung von oben.

Besonders problematisch ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der diese Sprachform durchgesetzt wird. Sie wird nicht erklärt, nicht begründet, nicht zur Diskussion gestellt. Wer sie kritisiert, gilt schnell als rückständig oder unsensibel. Genau darin zeigt sich der belehrende Charakter dieser Praxis: Sprache wird zum Instrument moralischer Überlegenheit, nicht zur präzisen Abbildung der Wirklichkeit.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk missbraucht hier seine institutionelle Autorität. Er nutzt seine Reichweite und Zwangsfinanzierung, um ideologisch geprägte Sprachregeln zu normalisieren. Das ist mit dem Anspruch politischer Neutralität unvereinbar. Wo Medien Macht ausüben, statt Information zu liefern, und Vorschriften machen, statt verständlich zu sprechen, dort wird Vertrauen verspielt.

"Getötete Demonstranten" wäre klar, korrekt und ausreichend gewesen. Dass man sich bewusst dagegen entschieden hat, ist bezeichnend. Es zeigt, dass nicht Präzision, sondern Ideologie leitend war - und dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend meint, nicht nur berichten zu müssen, sondern der Gesellschaft vorzuschreiben, wie sie zu sprechen und zu denken hat.

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