Verquaste Parteienlandschaft
Von RAINER K. KÄMPF
Das Leben mit einem Pflegekind erweist sich zuweilen als sehr schwierig. Erfüllt das Kind die manchmal zu hoch gesteckten Erwartungen nicht, stiftet Chaos und Unruhe, bleibt oft kein anderer Weg, als eine Pflegschaft zu beenden.
Nicht wenige Entscheidungsträger in den verbrauchten Bundesländern mögen sehnsüchtig nach einer solchen lösungsorientierten Praxis schielen. Das geht aber nicht. Weil die Mitteldeutschen die Frist des Rückgaberechts überschritten haben und man sie zudem damals noch überschwenglich adoptiert hat. Heute nun erweist sich ihre Aufmüpfigkeit als störend und hinderlich. Im Allgemeinen und im Besonderen.
Im Allgemeinen deshalb, weil sie sich einfach nicht so richtig unterordnen wollen, eigene Vorstellungen vehement durchdrücken und zunehmend vom bedauernswerten Heimchen zum vorbildlichen Rebellen mutieren.
In der Fläche revolutionieren sie die verquaste Parteienlandschaft, lehren den vom Schutzgeld verfetteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk das Schlottern und mausern sich jetzt auch noch zum Menetekel an der Wand, nämlich für den Kanzler selbst.
Das Besondere ist, daß sich im Wahlverein des Parteichefs und durch die SPD geduldeten Kanzlers Tumulte andeuten. Irgendwie scheint es offensichtlich nicht so richtig funktioniert zu haben, die Ost-CDUler zum bedingungslosen Klatschhäschen zu transformieren.
Die mucken jetzt auf. Eifersüchtig bemerken sie, wie die SPD verhätschelt wird, und realisieren schmerzlich, an den Rand der Wahrnehmung gedrängt zu werden. Das geht schon so weit, daß ihr „Chef“ offensichtlich Manschetten davor hat, über die Elbe zu setzen.
Viele der mitteldeutschen CDUler befürchten, der Außenkanzler hätte den Osten der Bundesrepublik schon abgeschrieben. „Aber dann hat er uns ganz verloren“, konstatierte ein Schweriner Unionsabgeordneter. Genau, macht einfach Blau!
(pi-news.net)
