Springe zum Inhalt

Viel Feind eine Ehr?

Trump und Xi setzen Merz auf die Speisekarte

Von MANFRED ROUHS

Ein englischsprachiges Sprichwort besagt: „If you are not at the table, you are on the menu.“ – Also: „Wenn man nicht am Tisch sitzt, steht man auf der Speisekarte.“ Nun haben Chinesen und US-Amerikaner, an deren Spitze Xi Jinping und Donald Trump, über ihre wirtschaftlichen Beziehungen beraten. Dazu bemerkte Gabor Steingart im „Focus“ zurecht: „Für die europäische Wirtschaft kann das brandgefährlich werden.“

Friedrich Merz ist, wenn es um die Verteidigung deutscher und europäischer Interessen geht, ein Totalausfall. Er verortete kürzlich erst China mit Russland und Nordkorea als „Achse der Autokraten” und übersah dabei, dass Deutschland in Nordkorea keine Interessen hat, in Russland Sicherheits- und Rohstoff-Interessen sowie in China massive Handelsinteressen, die einen Vergleich des Riesenreichs der Mitte mit Russland und Nordkorea aus deutscher Perspektive verbieten.

China und die USA generieren Wirtschaftswachstum. Deutschland und Europa schwanken zwischen Stagnation und Rezession. In dieser Situation können wir uns Friedrich Merz im Kanzleramt im engeren Sinne des Wortes nicht leisten.

Trump und Xi haben – nicht nur über die Köpfe des Iran, sondern auch über die Köpfe der Europäer hinweg – ultimativ die Öffnung der Straße von Hormus eingefordert. Keine 24 Stunden später greifen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien Ziele im Iran an. Deutschland und Europa sind in einem bei weitem höheren Maße als die USA auf Öl aus der Golfregion angewiesen, nachdem wir den Zugang zu russischen Rohstoffen eingebüßt haben. Die einschlägigen Absprachen zwischen Chinesen und US-Amerikanern betreffen uns unmittelbar, ohne dass wir auf die Entwicklung in der Golfregion auch nur den geringsten Einfluss hätten.

Wir wissen nicht, wie künftig, gestützt auf die Absprachen in Peking, die Kontrolle über die Straße von Hormus organisiert werden wird. Klar ist nur: Wir werden für Öl aus der Golfregion einen höheren Preis bezahlen müssen als bisher. Denn wer nicht mitwirkt an der Freihaltung dieses Wasserweges, hat auch keinen Einfluss auf die Konditionen für dessen Nutzung.

Friedrich Merz wendet Deutschland gleichzeitig gegen Russland, China und die USA Donald Trumps. Das erinnert fatal an die Konstellation vom Dezember 1941 – wenn auch diesmal in der Variante eines Wirtschaftskriegs, von dem allerdings deutlich absehbar ist, dass Deutschland und Europa ihn genauso verlieren werden wie den Zweiten Weltkrieg.
(Video oben: Präsident Trump unterhält sich mit der Presse an Bord der Air Force One auf dem Weg von China nach Anchorage, Alaska, 15. Mai 2026)
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert