Warum der Westen mit dem Feuer spielt
In einer Zeit, in der die NATO die Eskalationsleiter Stufe um Stufe erklimmt, warnen zwei der schärfsten geopolitischen Denker vor einer Katastrophe. Der US-Politikwissenschaftler Professor John Mearsheimer und der einflussreiche russische Stratege Professor Sergey Karaganov haben in einem brisanten Gespräch klargemacht: Russland steht unter wachsendem Druck, seine Abschreckung wiederherzustellen – notfalls mit einem begrenzten nuklearen Schlag gegen Europa. Und beide sind sich einig: Die USA würden höchstwahrscheinlich nicht atomar zurückschlagen.
Karaganov, Ehrenvorsitzender des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik und langjähriger Berater von Breschnew bis Putin, gilt in Moskau als treibende Kraft hinter der Debatte um eine Anpassung der russischen Nukleardoktrin. Mearsheimer, Distinguished Service Professor an der University of Chicago, untermauert diese Analyse mit nüchternem Realismus. Beide sehen die aktuelle Lage als gefährlichste Phase seit dem Kalten Krieg – nur dass der Westen die alten roten Linien vergessen hat.
Seit 2022 hat die NATO ihre Beteiligung am Ukraine-Krieg schrittweise ausgeweitet: von Panzern über Langstreckenraketen bis hin zu Angriffen direkt von NATO-Gebiet aus. Jede neue Eskalationsstufe wird in Brüssel und Berlin als Beweis russischer Schwäche gefeiert. Gleichzeitig wächst im Kreml der Druck, endlich zu reagieren. Karaganov betont: Wir stehen am Anfang einer Kette von Konflikten in einer multipolaren Welt, in der der Westen seine 500-jährige Dominanz verliert und mit Revanche reagiert.
Besonders alarmierend ist die russische Wahrnehmung Deutschlands. Karaganov sieht in den Deutschen – neben Japan – die größte historische Bedrohung. Er warnt eindringlich: Sollte Deutschland ernsthaft eigene Atomwaffen anstreben, müsse es „von der Erdoberfläche verschwinden“. Solche Worte aus Moskau sind kein Säbelrasseln, sondern Ausdruck tiefer historischer Traumata. Gleichzeitig kritisiert er die moralische Entwurzelung Europas, das seiner Meinung nach zu seinen blutigen Wurzeln von Weltkriegen und Völkermord zurückkehrt.
Mearsheimer ergänzt: Im Kalten Krieg hätte niemand gewagt, die strategische Nuklear-Triade anzugreifen oder tief ins russische Territorium wie bei Kursk vorzustoßen. Heute scheinen westliche Eliten zu glauben, man könne Russland beliebig provozieren. Ein fataler Irrtum. Beide Experten halten einen begrenzten nuklearen Einsatz Russlands in Europa für militärisch „gewinnbar“ – nicht im Sinne eines totalen Austauschs, sondern als Schock, der die NATO zum Rückzug zwingt.
(pi-news.net)
