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Naturgesetze lassen sich nicht wegverhandeln

Wenn Regeln die Realität ignorieren – und Menschen daran zerbrechen

Von David Cohnen

In dieser Republik entstehen immer wieder Situationen, in denen Vorgaben, Grenzwerte oder Urteile so weit von der physikalischen Realität entfernt sind, dass sie für die Betroffenen nicht nur unlogisch wirken, sondern regelrecht zermürbend. Zwei Beispiele – Hitze in Wohnungen und CO‑Grenzwerte in Tiefgaragen – zeigen das Problem in seiner reinsten Form.

Im ersten Fall wird Mietern und Vermietern suggeriert, eine unklimatisierte Wohnung müsse bei sommerlichen Außentemperaturen unter bestimmten Richtwerten bleiben, etwa unter 26 oder 28 Grad Celsius. Diese Werte stammen aus völlig anderen Bereichen, etwa Arbeitsstättenrichtlinien, und werden ohne Rücksicht auf die physikalischen Grundlagen herangezogen. Doch die Thermodynamik ist eindeutig: Wenn es draußen über längere Zeit heiß ist, nähert sich die Innentemperatur zwangsläufig der Außentemperatur an. Ohne aktive Kühlung gibt es keinen Mechanismus, der die Wohnung dauerhaft unter der Temperatur der Außenluft halten könnte. Wer dennoch solche Grenzwerte fordert oder als Maßstab für „Mängel“ heranzieht, ignoriert die Naturgesetze – und verlangt etwas, das schlicht unmöglich ist.

Das zweite Beispiel ist noch drastischer. Für eine Tiefgarage wird ein maximaler CO‑Wert von 50 ppm verlangt, und dass dieser durch Luftaustausch mit der Außenluft eingehalten werden soll. Gleichzeitig zeigt die Messung der Umgebungsluft konstant 70 ppm CO. Damit wird schlechtere Luft in einen Raum eingeblasen, der bessere Luft haben soll. Physikalisch kann die Konzentration im Innenraum niemals unter den Wert der Außenluft sinken, wenn ausschließlich Außenluft zugeführt wird. Die Maßnahme ist also von Anfang an zum Scheitern verurteilt – und dennoch wird sie gefordert, kontrolliert und sanktioniert. Das ist nicht nur unlogisch, sondern ein direkter Widerspruch zur Realität.

Dieses Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Realität beschränkt sich jedoch nicht auf physikalische Fragen

Auch die Volkswirtschaft kennt Grenzen: Ein Staat kann dauerhaft nicht mehr verbrauchen, als seine Gesellschaft erwirtschaftet. Wer dauerhaft mehr ausgibt und die Lücke mit neuen Schulden schließt, lebt von der eigenen Substanz.

Die Fälle zeigen dasselbe Muster: Es werden Vorgaben oder Grenzwerte festgelegt, die von den tatsächlichen Ausgangsbedingungen und grundlegenden Gesetzmäßigkeiten abweichen. Anschließend wird so getan, als ließen sie sich durch organisatorische Maßnahmen, Verhaltensvorschriften oder finanzielle Konstruktionen erreichen. Dabei werden die physikalischen oder ökonomischen Realitäten nicht gelöst, sondern lediglich ausgeblendet. Für die Betroffenen entsteht ein Gefühl der Ohnmacht, weil sie mit Anforderungen konfrontiert werden, die unter den gegebenen Bedingungen nicht erfüllbar sind. Genau diese Diskrepanz zwischen Regelwerk und Wirklichkeit bringt Menschen „fast um ihren Verstand“.

Die Naturgesetze lassen sich nicht wegverhandeln. Doch solange Entscheidungen getroffen werden, die so tun, als wäre das möglich, wird es immer wieder zu solchen absurden Situationen kommen – und zu Menschen, die daran verzweifeln.

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