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Brot und Spiele

Massendynamik und moralische Verrohung

(gh) -  Gehirn aus, Spot an. Wie leicht lassen sich Massen mit Brot und Spielen füttern, hat darauf nicht schon seneca hingewiesen? "Der berühmte Ausdruck 'Brot und Spiele' (lateinisch panem et circenses) stammt nicht von Seneca, sondern von dem römischen Satiriker JuvenalJuvenal prägte die Redewendung in seiner Satire X (etwa im späten 1. oder frühen 2. Jahrhundert n. Chr.), um die politische Teilnahmslosigkeit der römischen Bevölkerung zu kritisieren.

Seine Kernthese war, dass sich die einstmals mächtige Masse, die früher Herrscher und Legionen wählte, nun willig durch kostenlose Getreidespeisungen und pompöse Zirkusspiele von der Politik ablenken und ruhigstellen lasse.

Der Philosoph Seneca setzte sich zwar ebenfalls intensiv mit den römischen Massenunterhaltungen auseinander, wählte dabei jedoch eine andere Perspektive. Seneca kritisierte die Spiele vor allem aus moralischer und stoischer Sicht. In seinen bekannten Briefen an Lucilius (insbesondere im 7. Brief) warnt er eindringlich vor dem schlechten Einfluss der Masse und den grausamen Gladiatorenkämpfen in den Arenen:  Gefahr für den Charakter: Seneca argumentierte, dass der Aufenthalt unter aufgepeitschten Menschenmengen den eigenen Charakter schwächt und man „grausamer und unmenschlicher“ nach Hause zurückkehrt.
Kritik an der Schaulust: Er verurteilte die bloße, blutrünstige Unterhaltungsmord-Lust der Zuschauer bei den Mittagsspielen, bei denen Verurteilte schutzlos hingerichtet wurden. Fokus  auf den Geist: Seine Kritik galt der geistigen Trägheit der Massen, die lieber zu flachen Spektakeln rannten, anstatt sich den schönen Künsten oder der Philosophie zu widmen.
Fazit und heutige Sicht: Die Annahme, dass sich Massen extrem leicht manipulieren lassen, wenn man ihre Grundbedürfnisse stillt und sie ablenkt, ist der Kern des Phänomens 'Brot und Spiele'. Historisch gesehen ist der psychologische Befund also absolut treffend – das weltbekannte Zitat dazu verdanken wir jedoch Juvenal, während Seneca eher als der früheste psychologische Kritiker der Massendynamik und der moralischen Verrohung durch solche Events gilt".

 

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