Wenn Batterien in Flammen aufgehen
Von HANS HOFMANN-REINECKE
Nachdem es der Energiewende gelungen ist, Wälder und Felder nachhaltig durch Windräder zu verunstalten, geht es nun an die Anmut unserer Städte. Bautzen, die wohl östlichste der Bundesrepublik, nahe den Grenzen zu Polen und zur Tschechei, war bislang bekannt für ihren imposanten mittelalterlichen Stadtkern. Kürzlich hat die Stadt nun mit einem neuzeitlichen Ereignis Schlagzeilen gemacht.
Niemand interessierte sich bislang für die Stromversorgung dieser romantischen Stadt, sie war einfach da: unauffällig und zuverlässig. Seit diesem Jahr kommt der Strom aber auch aus Lithium-Batterien, und die sind alles andere als unauffällig und zuverlässig. Sie sind in wenig malerischen Containern untergebracht und sie gehen öfter mal spontan in Flammen auf.
Genau das passierte zu Beginn dieser Woche in Bautzen und das „Löschen“ solch eines Brandes ist nicht einfach. Die Anlage wurde in den Berichten durch „1,5 Megawatt“ charakterisiert. Das sagt nichts über ihre Kapazität aus, nichts über die Menge an Elektrizität, die dort gespeichert ist. Die 1,5 Megawatt geben nur an, wie schnell sie ihre Energie abgeben kann.
So ein typischer Lithium-Container kann vielleicht die Energie von vier Megawattstunden speichern. Die angeblich vier Container in Bautzen brächten es also auf 16 Megawattstunden. Damit könnte man die 40.000 Einwohner-Stadt ein bis zwei Stunden mit Strom versorgen. Dann muss die Dunkelflaute beendet sein.
Die hilflose Feuerwehr
Die größte Stärke der Lithium-Batterie ist auch ihre größte Schwäche: Ihre hohe Energiedichte. Bei gleichem Gewicht und Volumen können Lithium-Batterien wesentlich mehr Energie speichern als herkömmliche Akkus, etwa die aus Blei. Viel Energie auf kleinem Raum ist eine schöne Sache, sofern wir sie unter Kontrolle haben. Falls es aber einen „Thermal Runaway“ (thermisches Durchgehen) gibt, falls die Batterie also durchbrennt, richtet sie umso mehr Schaden an, je mehr Energie sie gespeichert hat. Und das einstehende Feuer kann man nur schwer löschen, weil es kein „Feuer“ ist!
Benzin beispielsweise hat eine wesentlich höhere Energiedichte als eine Lithium-Batterie, das heißt es hat mehr Kilowattstunden pro Kilogramm. Allerdings gibt es die nur ab, wenn auch eine ganze Menge Sauerstoff mit von der Partie ist. Ohne den gibt‘s kein Feuer. Das nackte Benzin hat keine Energie und es brennt auch nicht. Daher kann ein herkömmliches Feuer gelöscht werden, indem man Sauerstoff fern hält, etwa durch eine Feuerdecke, Schaum oder Pulver. Oder natürlich Wasser.
Eine Batterie bleibt von diesen Maßnahmen unbeeindruckt, da sie keinen Sauerstoff braucht, um ihre Energie zu entfalten. Sie trägt die ganze Energie in sich. Darum können die Feuerwehrmänner in Bautzen nur hilflos zusehen und warten, bis der Spuk vorbei ist.
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(pi-news.net)
