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Chatelaine meint…

Ein Engel auf Erden

Erinnern Sie sich noch an die Fernsehserie „Ein Engel auf Erden“ aus den 80er-Jahren? Da kam Jonathan Smith, gespielt von Michael Landon, immer gerade dort an, wo Menschen nicht mehr weiterwussten. Er löste allerdings nicht einfach alle Probleme für sie. Er half ihnen vielmehr, den eigenen Weg wiederzufinden. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

Vielleicht wäre genau das heute wieder eine gute Botschaft: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Denn wir haben uns daran gewöhnt, nach oben zu schauen. Nach der Regierung, nach Behörden, nach irgendwelchen Autoritäten, die uns sagen sollen, was richtig und was falsch ist. Als hätten wir unser eigenes Urteil, unser Gewissen und unsere Verantwortung gleich mit abgegeben.

Dabei gibt es ein Wort, das wir vielleicht wieder etwas ernster nehmen sollten: Ethik.

Ethik beschäftigt sich mit der Frage, wie wir handeln sollen und was ein gutes und richtiges Handeln ausmacht. Das ist etwas anderes als ein Gesetzbuch. Ein Gesetz kann festlegen, was erlaubt oder verboten ist. Aber nur weil etwas erlaubt ist, muss es deshalb noch lange nicht richtig sein. Und nur weil eine Autorität etwas anordnet, wird es dadurch nicht automatisch moralisch und gut.

Ethik beginnt dort, wo wir selbst zu denken beginnen.

Sie fragt nicht nur: „Darf ich das?“, sondern auch: „Sollte ich das tun?“ Und vielleicht noch wichtiger: „Kann ich vor meinem eigenen Gewissen dafür geradestehen?“

Das ist unbequem. Denn dann können wir die Verantwortung nicht mehr einfach nach oben delegieren. Nicht an die Regierung. Nicht an eine Behörde. Nicht an irgendeine vermeintlich unfehlbare Autorität. Eine freie Gesellschaft braucht Menschen, die selbstständig denken und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden können. Menschen, die nicht bei jeder Entscheidung fragen: „Was sagt man mir? “, sondern: „Was sagt mir mein Gewissen?“

Vielleicht wäre das auch etwas, das uns Jonathan Smith heute noch mitgeben könnte: Schau nicht zuerst nach oben. Schau erst einmal in den Spiegel und in dich hinein.
Und wenn wir schon auf einen Engel warten, der uns den richtigen Weg zeigt, dann sollten wir vielleicht bedenken: Der wichtigste Kompass steckt möglicherweise längst in uns selbst.

Denn wo der Mensch seine Ethik verliert und die Angst ihn lähmt, wird es schwierig. Da braucht es Menschen, die den Mut finden, wieder selbst zu denken und zu handeln. Und wer diesen Mut aufbringt, wird feststellen: Die Engel kommen nicht vorher – sie kommen, wenn wir anfangen, selbst zu handeln.

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