Alexandeeerrrrr, der Russe kommt!
Von RAINER K. KÄMPF
Man kann ja zu Dieter Hallervorden stehen, wie man will. Zugutehalten muß man ihm, ein feines Marktgespür zu haben.
In weiser vorausschauender Erkenntnis, daß es eng am Markt für spritzige Klamotten wird, setzte er auf die Nische CDU in Sachsen-Anhalt gegen Ulrich Siegmund. Das allein ist schon der Kracher. Ein Profi eben.
Zurzeit ist es aber auch ziemlich schwer in der Branche. Zunehmend tummeln sich da absolute Laien und verderben das Niveau.
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Nehmen wir zum Beispiel Brandenburg. Im Speckgürtel des Reichshauptslums hat jemand im vergangenen Jahr zwei Pistölchen verbuddelt. Ob die jetzt übrig waren oder sonstwie weg mußten, weiß bislang niemand schlüssig zu erklären.
In Rumänien zumindest, so wird gemunkelt, wurde ein Kerl eingebuchtet, der zu dieser Sache in Beziehung stehen soll.
Wahrscheinlich weil sonst nicht viel zu tun ist und keiner eine Idee hatte, was damit anzufangen wäre, wurde der Fund damals erstmal an Ort und Stelle belassen und gehegt und gepflegt.
Dieser Tage allerdings platzte der Heureka-Effekt herein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erkannte blitzartig, daß dunkle Mächte am Werke seien. Nun zum „Waffenlager“ hochgejazzt, soll der Unfug den Russen untergejubelt werden. Denen wird untergeschoben, die Nachkommen Marschall Schukows begännen damit, unterirdische Militärbasen einzurichten. Gott sei Dank könne jetzt schon im Vorfeld damit begonnen werden, die erste auszuheben.
Derweil rollen im Kreml die ersten Köpfe, weil der Sturm auf Berlin jetzt verschoben werden muß.
Ein paar Kilometer weiter südlich sieht es kaum besser aus. Leipzig, einst als Messestadt weltbekannt, funktioniert seinen zivilen Flughafen zum militärlogistischen Zentrum um und läßt von da aus Kriegsgerät an die Ostfront fliegen.
Ob als konsequente Folge dessen, weiß noch niemand, aber man verortet vorläufig Drohnen, die in geordneten Abständen irgendwie entdeckt werden, um sie den noch verbliebenen Zuschauern von „Tagesschau“ und „Heute“ als, wer hätte das vermutet, russische Invasionswaffen anzudrehen.
Alexander Dobrindt, selbstverständlich, ist ganz aus dem Häuschen. Leipzig sei Teil einer großen Sache, hyperventiliert er.
Es kann ja sein, daß vielleicht ein paar Tage Ruhe ist. Jetzt, wo der konzentrierte Erstschlag des Sturms auf Berlin, begleitet durch die Luftschlacht bei Leipzig, vereitelt wurde. Uff!
Hallervorden liegt derweil richtig. Der Plot, oft bemüht vom oberschlesischen Radiosender, über den Golf von Tonking bis hin zu den Massenvernichtungswaffen im Irak, wurde früher zumindest noch einigermaßen griffig bemüht, um die Halbwertszeit im annehmbaren Bereich zu halten.
Es sind keine fremden Mächte, wie der Bundesinnenminister befürchtet. Es sind heimische, die uns weitgehend fremd geworden sind.
(pi-news.net)
