Fortschreitende Spaltung in Deutschland?
Von RAINER K. KÄMPF
Das aktuelle ZDF-Politbarometer bescheinigt der Merz-Regierung miserable Umfragewerte. Das ist nicht verwunderlich, sondern systemimmanent.
Geht man jetzt davon aus, daß Umfragen zur Kartellpolitik bis zu einem gewissen Grad tatsächlich Stimmungsbild und Trend der Befragten ausdrücken, bleibt erstauntes Kopfkratzen nicht aus.
Demnach legen Linke und Grüne in der Gunst der wahrscheinlichen Wähler zu. Sollte also das ohnehin schon stramm linke Kabinett unter Friedrich Merz nicht links genug sein, ließe das einen gefährlichen Trend innerhalb der deutschen Gesellschaft erkennen.
Nämlich den der fortschreitenden Spaltung. Die einen denken sich: Was soll der Unfug mit einer rot/schwarzen Koalition, wenn diese offensichtlich unter den Erwartungen der Originale herumkrepelt?
Ein beunruhigend statischer Teil der schwarzen Gefolgschaft verharrt anscheinend in der Karnickelrolle und hofft auf einen Erlöser für die Unionsparteien. Denkste. Der wird einen großen Bogen um diese fragwürdigen Vereinigungen machen. Schaute man allein in den vergangenen Tagen quer über den Blätterwald, ergriff einen der eiskalte Schauer beim Gedanken an die Falsifikate sogenannter christlicher Parteien.
Was da an dubiosen unterschwelligen Charakteren in Führungspositionen gehievt wird, läßt den Schluß zu, daß die Voraussetzungen für hohe und höchste Parteiämter Wesenseigenschaften sein müssen, die in anderen Gesellschaften die politische Feme zur zwangsläufigen Folge hätten.
Was wirklich bedenklich werden kann, ist eine Option, die sich in Berlin andeuten könnte. Wo auch sonst? Im Reichshauptslum trat vor wenigen Tagen das nach Boris Becker bekannteste deutsche Tennistalent von der Pole-Position für das nächste Schippelrennen um den Trog zurück. Vom gegenwärtigen Platz an demselben natürlich nicht.
Und schon gibt es Buletten, die sich offenbar von der unglaubwürdigen Rochade beeindrucken lassen. Wenn es denn so sein sollte, holte die CDU tatsächlich etwas auf und gewinnt marginal dazu. Gerade das wird zur Gefahr. Bisher konnte der gespannte Beobachter in aller Seelenruhe davon ausgehen, daß Elif Eralp von den Linken Wegners vorgewärmten Platz einnehmen würde. Dank Wegners beeindruckender Wahlkampfhilfe schien ihr die Rolle sicher. Und uns ein nie dagewesenes Stegreifspiel. Sozusagen die Vivisektion einer einstmaligen Kulturmetropole, degradiert zum schlechten Beispiel für alle hinsichtlich der Folgen einer gesamtgesellschaftlichen Retardation.
In Berlin wurde konsequent und lange beharrlich darauf hingearbeitet, als Paradebeispiel des urbanen Siechtums in die Geschichtsbücher einzugehen. Bitte versaut uns nicht das Finale!
(pi-news.net)
