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Neue Deutsche macht die Stadt

Experiment des gesamtgesellschaftlichen Umbaus

Von RAINER K. KÄMPF

Am 20. September soll in Berlin gewählt werden. Das verspricht in diesem Jahr wirklich spannend zu werden.

Berlin, spätestens seit den 1968ern das gesellschaftliche Labor des politischen Homunkulus, schickt sich an, den neuen Wähler in revolutionärem Tempo zu schaffen. Bertolt Brecht würden die Augen übergehen.

In Regionen, die auf das mühsame Prozedere der schleppenden darwinschen Evolution vertrauen, wird althergebracht aufwendiger Wahlkampf geführt. In der mutierten alten Reichshauptstadt geht man neue, revolutionäre Wege.

So verkündet der Direktor des Landeseinwohneramtes (LEA), Engelhard Mazanke, daß sich die Einbürgerungen innerhalb der vergangenen zwei Jahre vervierfacht haben sollen. Allein im vergangenen Jahr wurden knapp 38.000 Neubürger auf dem Papier zu Deutschen gemacht.

Eine Steigerung um 40 Prozent. Ohne gezielt in dieser Richtung recherchiert zu haben, können wir getrost davon ausgehen, daß der Wohnungsmarkt bei Weitem einen solchen Zuwachs nicht erfahren haben kann. Der zu erwartende unweigerliche Familiennachzug wird den Kessel auf Hochdruck bringen.

Das stört die Berliner offensichtlich keineswegs. Ebenso wenig die Überlegung hinsichtlich des vorhandenen Arbeitsmarktes und seines unerschöpflichen Pendants Bürgergeld alias Grundsicherung. Warum auch? Dank der Väter der Bundesrepublik gibt es ja den Länderfinanzausgleich.

Der ist in diesem Fall auch mehr als gerecht, sollen sich doch die übrigen Länder am Experiment des gesamtgesellschaftlichen Umbaus beteiligen, dem sie in freudiger Erwartung unter Laborbedingungen anteilnehmend entgegenfiebern dürfen.

Die Vorteile der Turbogermanisierung liegen für jeden sichtbar auf der Hand: Berlin wird deutscher. Vorbei das Gemecker einer befürchteten Babylonisierung, und die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wird künftig weit weniger Anlaß für rechte Hetze bieten. Die Anzahl ausländischer Straftäter wird erfolgreich zurückgedrängt, während, oh Wunder, die Kartoffeln immer krimineller werden.

Das Berliner Modell wird sich herumsprechen, die Stadt künftig immer der Einreise wert sein und die Städtepartnerschaft mit Schilda gehört auf die To-do-Liste.
(pi-news.net)

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