Wahn um gestreckten Arm
Von WOLFGANG HÜBNER
Wenn unsereiner seine morgendlichen Gymnastikübungen macht, gibt es immer wieder kurze Momente, in denen der linke oder rechte Arm angewinkelt nach oben gestreckt wird. Sollten mich streng antifaschistisch gesinnte Nachbarn dabei beobachten und gar fotografieren, dann hätten sie Beweismaterial für meine alltägliche Einübung des sogenannten „Deutschen Grußes“. Der hatte bekanntlich zwölf Jahre im vergangenen Jahrhundert zusammen mit einem mehr oder minder lautstarken Bekenntnis eine besondere Bedeutung.
Weil diese zwölf Jahre zwar längst vergangen, aber laut ungeschriebener Staatsräson nie vergessen und vergeben werden dürfen, ist es nicht ungefährlich, das zu tun, was ich da in der Frühe des Tages tue. Zwar ist das angewinkelte Strecken des linken oder rechten Armes im Privatbereich nicht strafbar, aber bei einem ehemaligen rechtslastigen Kommunalpolitiker wie mir zumindest irgendwie verdächtig.
Wenn aber vor sechs Jahren auf einer privaten Grillparty ein wichtiger AfD-Politiker in Sachsen-Anhalt spaßeshalber den linken Arm nach oben gereckt hat, so soll aus jenem von einem Foto dokumentierten Moment nun kurz vor der Landtagswahl in diesem Bundesland ein politischer Skandal zum Schaden der in Umfragen weit führenden Partei konstruiert werden. Das beweist zum einen, dass die Verzweiflung der politischen Konkurrenz fast schon bemitleidenswert ist.
Und da diese Lächerlichkeit geradezu gierig von den Systemmedien aufgegriffen wird, kann zum anderen das Geschehen ohne Übertreibung als Symptom von nationalem Wahn begriffen werden. Der bedürfte einer intensiven psychologischen Dauerbehandlung, gäbe es einen Wunderheiler, der sich diesem hoffnungslosen Fall tollkühn zu widmen bereit wäre. Deutscher Wahn hat einst zum „Deutschen Gruß“ geführt. Aber deutscher Wahn ist es auch, der selbst dessen offensichtliche Verulkung mit dem falschen linken Arm auf einer Grillparty vor sechs Jahren zur Staatsaffäre aufblasen will.
(pi-news.net)
