Wir schaffen heute die Risiken für die nächste Generation
Von PROF. EBERHARD HAMER (Teil 1 von 4)
Eltern wollen immer, dass es ihren Kindern besser geht als ihnen. Dies galt insbesondere für die Generation, die nach dem Krieg aus dem Nichts durch ungeheuren Fleiß und Einsatz wieder aufgestiegen ist und heute den vermögenden Mittelstand darstellt.
Viele Eltern möchten ihre Kinder so absichern, dass sie ihnen die Eigenleistung ersparen. Es gibt aber auch Eltern, die sagen: „Ich habe mit nichts angefangen und mir durch Eigenleistung alles erworben; – meine Kinder sollen auch ihr Leben durch Eigenleistung bestehen“.
Nach meiner Erfahrung ist das größte Risiko der nächsten Generation diese Generation selbst: Die Mehrzahl der jungen Menschen, die schon zu Hause und in der Schule zum „Wohlfühlen“ gepflegt wurden, dürfte der künftigen Härte des Lebens nicht gewachsen sein und abfallen. Und wer im Leben Lust statt Leistung anstrebt, wird ebenfalls im Wettbewerb untergehen.
Platzen des Scheinwohlstandes
Da wir keine Ständegesellschaft, sondern eine Leistungsgesellschaft haben, muss jede Generation ihre gesellschaftliche Position selbst wieder neu erobern. Wir können ihr eigene Leistung für ihren wirtschaftlichen Aufstieg nicht ersparen. Intelligenz, hohe Bildung und Leistungsstreben unserer Kinder sind also eine sicherere Risikovorsorge als alle materiellen Vorsorgemaßnahmen.
Die nächste Generation wird aus dem Handeln oder vielmehr dem Unterlassen der jetzigen Generation Risiken zu bestehen haben, die die derzeitige Generation verschuldet, aber die nächste auszubaden hat.
Unser derzeitiger Wohlstand ist – wenn wir ihn international vergleichen – nicht leistungsgerecht, sondern durch eine von FED und EZB hemmungslos aufgeblasene Geldblase verfälscht. Die Geldmenge hat sich in den letzten 50 Jahren verfünfzigfacht, die Gütermenge nur versiebenfacht. Wir haben also überschüssiges Geld, welches unser Vermögen zum Scheinwohlstand aufgeblasen hat, uns überproportionale Einkommen bescherte und einen Lebensstandard erlaubte, den wir überwiegend dem Luftgeld statt unserer Realleistung verdanken.
Wird die nächste Generation in Realarmut leben?
Noch nie hat aber ein aus Geldmengenexplosion geschaffener Scheinwohlstand auf Dauer gehalten. Er muss entweder kontrolliert korrigiert werden oder wird unkontrolliert platzen, also entweder in Rezession oder Crash zusammenfallen.
Es wäre der nächsten Generation zu wünschen, dass diese Korrektur noch zu Lebzeiten der Tätergeneration erfolgt, voraussichtlich aber wird die Blase noch künstlich weiter aufrechterhalten, so dass erst die nächste Generation das Zerplatzen erlebt.
Die nächste Generation muss jedenfalls damit rechnen, dass sie nicht mehr im Scheinwohlstand, sondern wieder ohne diesen – möglicherweise in Realarmut – leben wird. Wir und unsere Kinder dürfen jedenfalls dem Scheinwohlstand nicht trauen, müssen ihn als Risiko für uns und unsere Kinder sehen und mit seinem Verlust rechnen.
(pi-news.net)
