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Eroberung des Westens

Muammar al-Gaddafi als Prophet

(gh) - Einer hat die Eroberung des Westens mit seinen Ungläubigen vorhergesagt. Der frühere libysche Diktator Muammar al-Gaddafi stellte sich eine Eroberung Europas nicht auf klassischem militärischem Weg vor, sondern prognostizierte eine demografische und religiöse Transformation ohne Waffen.

Seine Vision stützte sich im Wesentlichen auf zwei miteinander verknüpfte Dynamiken, die er in verschiedenen Reden und Interviews darlegte:In einer berühmt gewordenen Rede, die 2006 über den Sender Al Jazeera ausgestrahlt wurde, erklärte Gaddafi:„Wir haben 50 Millionen Muslime in Europa. Es gibt Anzeichen dafür, dass Allah dem Islam den Sieg in Europa gewähren wird – ohne Schwerter, ohne Gewehre, ohne Eroberung. Er wird es innerhalb weniger Jahrzehnte in einen muslimischen Kontinent verwandeln“.

Gaddafi war davon überzeugt, dass die Kombination aus starker Zuwanderung und hohen Geburtenraten unter muslimischen Einwanderern im Gegensatz zur schrumpfenden und alternden europäischen Bevölkerung dazu führen würde, dass Europa „von ganz alleine muslimisch“ werde. Eine militärische Konfrontation hielt er dafür nicht für nötig. 2010 forderte er bei einem Staatsbesuch in Rom zudem öffentlich alle Europäer auf, zum Islam zu konvertieren.

Gaddafi nutzte diese Vision und die geografische Lage Libyens strategisch als Druckmittel gegenüber der Europäischen Union. Er verstand die afrikanische Migration nach Europa als unaufhaltsame historische Folge der kolonialen Ausbeutung Afrikas durch den Westen. Gleichzeitig drohte er der EU ganz offen damit, die Schleusen für Migranten zu öffnen, falls Europa seinen Forderungen nicht nachkomme. Beim EU-Afrika-Gipfel 2010 drohte er unverblümt: Er forderte fünf Milliarden Euro jährlich von der EU für die Grenzsicherung. Sollte das Geld nicht fließen, würde er seine Kontrollen einstellen und der „christliche, weiße“ Kontinent Europa werde durch die Migrationsströme „schwarz“ werden.

Als Gaddafi im Zuge des libyschen Bürgerkriegs 2011 durch eine NATO-Intervention unter Druck geriet, änderte sich seine Rhetorik drastisch. In Telefon- und Audiobotschaften drohte er den europäischen Ländern direkt mit asymmetrischer Kriegsführung. Er kündigte an, Millionen Libyer würden „wie die Heuschrecken“ über Europa herfallen, um dort direkt Häuser und Familien anzugreifen, falls die Luftangriffe gegen sein Regime nicht gestoppt würden.

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