Jüngere Geschichte ist am besten im Elsass zu begegnen

(gh) - Es muss nicht immer Auschwitz sein. Natzweiler-Struthof in den Vogesen führt alles vor, was Deutschland im Dritten Reich Schande hat gebracht. Unter diesem Namen wurden Dutzende KZ im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs verwaltet, nachdem das Lager bereits aufgegeben und die Kommandatur in den Raum Stuttggart verlegt worden war. Was an Gedenkstätten im Elsass so besonders ist, erwähnt KI, wobei noch weitere besuchenswert sind. Bei allem, was mit Geschichte zu tun hat, gilt ein Satz von Stanislaw Jerzy Lec zu beherzigen: Die Geschichte lehrt, wie man sie fälscht.
In welchen staatlichen und privaten Museen im Elsass lässt sich jüngere deutsche Geschichte, vor allem die Nazizeit, besser studieren als irgendwo in Deutschland? "m Elsass lässt sich die NS-Zeit insofern besser oder zumindest einzigartiger studieren als an den meisten Orten in Deutschland, weil hier die Mechanismen einer De-facto-Annexion, einer radikalen, erzwungenen "Germanisierung" sowie das Schicksal der "Malgré-nous" (der gegen ihren Willen in die Wehrmacht eingezogenen Elsässer) im Zentrum stehen. Während deutsche Museen oft die Perspektive des Täterlands oder des allgemeinen jüdischen Leids beleuchten, zeigen die elsässischen Museen und Gedenkstätten die brutale Transformation einer demokratischen Grenzregion in einen totalitären NS-Gau.

Die folgenden staatlichen, regionalen und privaten Institutionen bieten diesen einzigartigen Blickwinkel:
Regionale & Staatliche Museen / Gedenkstätten
- Mémorial Alsace-Moselle (Schirmeck)
- Der Fokus: Dieses moderne, interaktive Museum ist der wichtigste Ort, um die Besonderheit der NS-Herrschaft im Elsass zu verstehen. Es dokumentiert die Zeit von 1870 bis heute, legt aber den absoluten Schwerpunkt auf die Jahre 1940–1945.
- Was Sie hier besser lernen: Das Museum zeigt eindringlich die psychologischen und physischen Folgen der totalitären "Umerziehung". Es thematisiert das Verbot der französischen Sprache bei Androhung von Lagerhaft sowie das tragische Schicksal der Malgré-nous.
- Webseite: Mémorial Alsace-Moselle

- KZ Natzweiler-Struthof & Europäisches Zentrum der deportierten Widerstandskämpfer (Natzwiller)
- Der Fokus: Das einzige von den Nationalsozialisten errichtete Konzentrationslager auf heutigem französischem Boden. Es war ein "Nacht-und-Nebel"-Lager, in dem vor allem politische Gefangene und Widerstandskämpfer aus ganz Europa interniert waren.
- Was Sie hier besser lernen: Neben dem erhaltenen Lagergelände und dem Krematorium beleuchtet das angeschlossene Europäische Zentrum (CERD) die europäische Dimension des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Nirgends in Deutschland wird der europäische, multinationale Widerstand so kompakt und an einem authentischen Tatort dokumentiert wie hier.
- Webseite: Mémorial Struthof
Grenzüberschreitende & Städtische Museen
- Dreiländermuseum (Lörrach – direkt an der Grenze zum Elsass)
- Der Fokus: Dieses Museum widmet sich der gesamten Dreiländereck-Region. Es besitzt die größte Sammlung von Objekten aus der NS-Zeit in der Region und zeigt regelmäßig bedeutende Sonderausstellungen zur NS-Diktatur im Elsass.
- Was Sie hier besser lernen: Die genauen, oft vergessenen Aspekte des NS-Alltags und der Propaganda direkt an der Grenze. Es arbeitet detailliert auf, wie badische Nationalsozialisten das Elsass als "Gau Baden-Elsass" unter Gauleiter Robert Wagner vereinnahmten und wie badische Bauern als "Siedler" dorthin geschickt wurden.
- Webseite: Dreiländermuseum Lörrach
Private & Lokale Museen (Militärhistorischer Fokus)
- Musée du Mémorial des Combats de la Poche de Colmar (Turckheim)
- Der Fokus: Ein kleines, in einem historischen Keller untergebrachtes Museum, das von einem privaten Verein getragen wird. Es widmet sich den extrem verlustreichen Kämpfen um den "Brückenkopf Elsass" (Poche de Colmar) im Winter 1944/45.
- Was Sie hier besser lernen: Die rein militärische und menschliche Katastrophe der Endphase des Krieges auf elsässischem Boden. Während in Deutschland die Westfront im Winter 1944 oft nur als Vorgeschichte zum Zusammenbruch behandelt wird, zeigt dieses Museum die Zerstörung elsässischer Dörfer und das Leiden der Zivilbevölkerung im direkten Kreuzfeuer zwischen Wehrmacht und Alliierten.

- Marckolsheim
-
Das Gedenkmuseum der Maginot-Linie am Rhein (Musée Mémorial de la Ligne Maginot du Rhin) in Marckolsheim ist in einer echten Kampf-Kasematte (Bunker 35/3) untergebracht. Es zeigt den Alltag der Soldaten im Zweiten Weltkrieg sowie die verheerenden Kämpfe von Juni 1940. [1, 2, 3]Die Ausstellung teilt sich in historische Innenräume und ein Freiluftgelände auf:Rekonstruierte Innenräume (Stand von 1940)
-
- Funktionsräume: Vollständig eingerichtete Schlafräume der Soldaten, Kommandoposten, Schießstände und die originale Belüftungs- und Stromanlage mit Generator.
- Ausrüstung und Waffen: Panzerabwehrkanonen, schwere Maschinengewehre, Mörser und originale optische Visiereinrichtungen.
- Kriegsandenken: Vitrinen mit Uniformen, Helmen, persönlicher Ausrüstung der Soldaten, Fotos aus den Jahren 1939/1940 und Munition. [1, 2, 3, 4, 5]
-
-
Authentische Kampfspuren
-
Hatten
-
Das bekannteste Museum in Hatten im Elsass ist das Musée de l'Abri de Hatten (Großunterstandsmuseum). Es zeigt die Geschichte des Zweiten Weltkriegs anhand eines originalen, 1930 erbauten Bunkers der Maginot-Linie sowie einer umfangreichen Sammlung militärischer Ausrüstung. [1, 2]Die Ausstellungen des Musée de l'AbriDas Museum teilt sich in verschiedene historische und thematische Bereiche auf:
- Der restaurierte Bunker: Besucher können 28 Räume besichtigen, die teilweise in ihren ursprünglichen Zustand als Soldatenkaserne (mit rund 240 Betten) zurückversetzt wurden. Andere Räume dienen als Ausstellungssäle. [1, 2]
- Die Schlacht von Hatten: Ein zentraler Teil der Ausstellung widmet sich der verheerenden Panzerschlacht im Januar 1945 (Unternehmen Nordwind). [1, 2]
- Schicksal der Zivilbevölkerung: Das Museum dokumentiert das Leben unter nationalsozialistischer Herrschaft, die "Germanisierung" des Elsass sowie das Überleben der Einwohner, die während der Kämpfe zwei Wochen lang in ihren Kellern ausharrten. [1]
- Militärisches Großgerät: Auf dem großen Außengelände und in Hallen sind Panzer (wie der Sherman-Panzer), Militärfahrzeuge, Geschütze und Flugzeuge (darunter eine MiG-21 und die Überreste eines deutschen Düsenjägers Me 262) ausgestellt. Die Exponate reichen von 1939 bis in die Zeit des Kalten Krieges. [1, 2, 3, 4, 5]
- Wald des Gedenkens: Eine Gedenkstätte auf dem Areal, die an die Opfer der Konflikte erinnert.

- Hartmannsweilerkopf (1. Weltkrieg)
-
Die Gedenkstätte Hartmannsweilerkopf (französisch: Vieil Armand) im Elsass zeigt ein außergewöhnlich gut erhaltenes Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs sowie ein deutsch-französisches Museum und eine nationale Gedenkstätte, die an die erbitterten Stellungskämpfe von 1914 bis 1916 erinnern. Aufgrund der enormen Verluste wurde der strategisch wichtige Vogesengipfel auch als „Menschenfresser“ bezeichnet. [1, 2, 3, 4, 5]Das historische Areal gliedert sich in vier zentrale Bereiche:Das historische Schlachtfeld (Freilichtmuseum)Auf dem 956 Meter hohen Bergrücken können Besucher über ein ausgedehntes Wegenetz das ehemalige Kampfgebiet direkt begehen: [1, 2]
-
- Schützengräben: Ein kilometerlanges, gut erhaltenes und teils restauriertes System von Gräben der deutschen und französischen Linien.
- Bunker: Über 600 Befestigungsanlagen und Unterstände aus Beton, Ziegeln und Naturstein.
- Kriegsspuren: Sichtbare Granattrichter, Stacheldrahtreste und Reste von unterirdischen Stollen. [1, 2, 3]
Das Deutsch-Französische HistorialDas 2017 eröffnete, moderne Museum bietet einen tiefen historischen Kontext:-
- Gemeinsame Perspektive: Die Dauerausstellung beleuchtet die Ereignisse aus der Sicht beider Nationen.
- Exponate: Gezeigt werden persönliche Gegenstände der Soldaten, Waffen, zeitgenössische Dokumente und historische Fotografien.
- Multimedia: Filme und interaktive Stationen veranschaulichen den brutalen Alltag in den Gräben. [1]
Das französische NationaldenkmalAm Fuße des Schlachtfelds befindet sich eine monumentale Gedenkanlage:-
- Altar des Vaterlandes: Ein großes, symbolträchtiges Denkmal (Monument National).
- Krypta: Ein unterirdischer Gedenkraum, der die Gebeine von nicht identifizierten Soldaten beider Seiten beherbergt. [1]
Der Soldatenfriedhof (Nécropole Nationale)- Kriegsgräberstätte: Ein französischer Militärfriedhof mit weit über 1.200 Kreuzen für die gefallenen Soldaten. [1]
-



