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Falsche Reformen schaden mehr

Gewerkschafts- und Sozialfunktionärsdenken über ökonomische Vernunft

Von PROF. EBERHARD HAMER (Teil 2 von 2)

Unsere fünf Millionen Unternehmen haben vielfältigen Bedarf an Helfern, die nur für Stoßzeiten für wenige Stunden in der Woche, für Sonderaktionen oder wegen gesetzlicher Vorschriften gebraucht werden, zum Beispiel, wenn ein Handwerker eine Leiter benutzt, muss ein zweiter Mitarbeiter zur Sicherheit dabei sein, auch wenn er selbst nichts an der Arbeit leistet. Die meisten dieser Hilfskräfte beschäftigt das Dienstleistungsgewerbe (Gastronomie, Logistik u.a.), aber auch fast jeder Handwerksbetrieb.

Sie können die Kosten eines Mindestlohn-Vollbeschäftigten für solche Teilzeiteinsätze nicht tragen. Für die mittelständischen Betriebe war es deshalb attraktiv, den Mitarbeitern monatlich 603 Euro auszuzahlen und nur 31 Prozent dafür pauschal an Abgaben leisten zu müssen.

Für die Mitarbeiter vor allem war dieser Minijob mit seinen ca. 600 Euro Nettoverdienst lohnenswert – sie brauchten dafür keine zusätzlichen Abgaben zu leisten. Deshalb waren ca. 6,8 Millionen fleißige Arbeitnehmer bereit, für dieses Nettoeinkommen als Helfer in den Betrieben oder als Hilfe im Haushalt Teilzeitarbeit zu leisten. Davon sind allein 3,5 Millionen regulär beschäftigte Arbeitnehmer, die ein Zusatzeinkommen brauchen und suchen, ohne dafür selbst Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen.

Arbeiten in Deutschland lohnt sich fast nicht mehr
Die zweitgrößte Gruppe sind Rentner, die einen Zusatzverdienst zu ihrer Rente brauchen. Auch 1,1 Millionen Studenten suchen zu ihrem monatlichen Zuschuss oder Bafög mit Minijob noch einen Nebenverdienst ohne Stress mit Steuern und Sozialabgaben. Nach Plänen der Regierung sollen sie nun für den Minijob nicht nur Steuern, sondern auch 56 Euro Rentenversicherung, 52 Euro Krankenversicherung und 14 Euro Pflegeversicherung sowie sieben Euro Arbeitslosenversicherung zahlen. Statt 603 Euro netto würden sie dann nur noch zwischen 470 und 350 Euro netto verdienen. Dann wäre der Minijob tot und würden mehr als sieben Millionen Teilzeit- und Hilfstätigkeiten nicht mehr geleistet, weil sich – wie schon die Bürgergeldbezieher behaupten – Arbeit in Deutschland nicht mehr lohnt.

So wird Gewerkschafts- und Sozialfunktionärsdenken über ökonomische Vernunft gestellt. Gerade die Minijobber sind die fleißigsten und motiviertesten Arbeitnehmer unserer Wirtschaft. Ohne ihre Abgabenfreiheit werden sie nicht mehr tätig werden und ohne die Minijobber werden viele Betriebe und Branchen nicht mehr leisten können, wird der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands beschleunigt.

Das Mittelstandsinstitut Hannover hat in den mittelständischen Branchen (Handwerk, Gastronomie, Logistik) nach der Meinung der Unternehmer gefragt und ein vernichtendes Urteil über diese geplante Regierungsmaßnahme bekommen.

Minijobber sind entsetzt und wütend
Aber auch die Minijobber selbst sind entsetzt und wütend, dass die Regierung ihnen diese Zusatzeinnahmemöglichkeit nimmt, dass das Wohl der Sozialkassen über dem Wohl des fleißigsten Bevölkerungsteils steht.

Die Sozialfunktionäre träumen davon, dass nach den Erfahrungen der Covid-Seuche die Bevölkerung sich auch wirtschaftsfeindlichen Regierungen weiterhin gehorsam zeigen würde, so dass aus den wegfallenden Minijobs Ganztagsbeschäftigungsverhältnisse würden. Beides trifft nicht zu. Die Bevölkerung sieht inzwischen eine wachsende Alternative gegen die Regierungskoalition und könnte auch wegen des Teilzeiten- und Stoßzeitenbedarfs Minijobs nicht in Vollzeitjobs umwandeln, ganz abgesehen von den durch die gleiche Regierung gerade wieder erhöhten Mindestlöhnen. Die von der Regierung betriebene Verhinderung von Minijobs wird also wirken. Der Bäcker bekommt für den morgendlichen Stoßverkauf von Brötchen keine Hilfskraft mehr, der Installateur keinen ungelernten Helfer für anstrengende Reparaturen, der Gastwirt für Stoßzeiten keine zusätzliche Bedienung und die Tankstelle keine Hilfskräfte mehr für Dauerbetrieb.

Noch schlimmer als die mittelständischen Unternehmen trifft es die zumeist wirtschaftlich schwachen Minijobber selbst, die nun kein Nettoeinkommen mehr erzielen können. Die falsche Rentensanierung wird also die kleinen Leute treffen, die Rentner, Geringverdiener, Studenten, Hausfrauen aus einkommensschwachen Haushalten, also die armen Leute unserer Gesellschaft, für die die Politiker sich angeblich am meisten einsetzen wollen, aber am wenigsten tun, wie dieses Beispiel zeigt.

Mittelstandsschädliche Maßnahmen haben noch nie eine Wirtschaft wiederbelebt
In dem verhängnisvollen Vorschlag der Abschaffung von Minijobs zeigt sich, wie sehr die SPD von Gewerkschaftsbonzen und Gewerkschaftsinteressen gesteuert ist, denn Minijobber sind keine Gewerkschaftsmitglieder und soll es deshalb nicht geben.

Die Reformvorschläge der Regierung sollten eigentlich gegen den Absturz unserer Wirtschaft helfen, sollten einen Wiederaufstieg bringen. Das würde aber nur möglich sein, wenn die Wirtschaft nicht weiter belastet, sondern entlastet würde und wenn der Arbeitsmarkt nicht reduziert, sondern entlastet und gestärkt würde.

„Wen die Götter vernichten wollen, den strafen sie mit Blindheit“. Diese alte griechische Erkenntnis wird sich auch jetzt wieder beweisen. Falsche Reformen schaden mehr als sie nützen und mittelstandsschädliche Maßnahmen haben noch nie eine Wirtschaft wiederbelebt.
» Teil 1: Die Plünderung des Mittelstands wird mit der „Reformpolitik“ fortgesetzt
(pi-news.net)

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