Menschsein zwischen Sturm und Drang

(gh) - Es gab mal den Begriff der Halbstarken, sogar einen Film, heute scheint es, dass ganz Deutschland im Halbstarken verweilt, und die Scheu groß ist, unter den Menschen, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, für sich und das Land. KI erinnert: "Der Begriff der 'Halbstarken' prägte vor allem die 1950er-Jahre und beschrieb Jugendliche, die durch rebellisches Verhalten, Lederjacken und Protest gegen die Elterngeneration auffielen.
Ihr gesellschaftlicher Befund berührt eine aktuelle Debatte, die in der Soziologie und Psychologie unter Begriffen wie 'Peter-Pan-Syndrom' oder 'Infantisierung der Gesellschaft' intensiv diskutiert wird.Während die Halbstarken damals eine temporäre Phase des Übergangs markierten, sehen Kritiker heute oft strukturelle Gründe für ein verzögertes Erwachsenwerden.
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Faktoren für das veränderte Erwachsenwerden: Verlängerte Übergangsphasen: Ausbildung, Studium und die Phase der beruflichen Orientierung dauern heute oft viel länger als in den 1950er- und 1960er-Jahren. Der Eintritt ins 'echte' Berufsleben verschiebt sich nach hinten.Wirtschaftliche Hürden: Hohe Mieten, Immobilienpreise und unsichere Arbeitsverhältnisse erschweren es jungen Generationen, klassische Symbole des Erwachsenseins (wie eine eigene Familie oder Wohneigentum) zu realisieren.
Optionen-Überfluss: Die Fülle an Lebensentwürfen und Wahlmöglichkeiten führt häufig zu Entscheidungsunfähigkeit. Sich festzulegen bedeutet heute auch, viele andere Optionen aufzugeben.Gewandelter Verantwortungsbegriff: Viele Menschen engagieren sich heute anders – etwa in sozialen Bewegungen oder im Kleinen –, scheuen jedoch traditionelle, starre Strukturen wie Parteien oder klassische Vereinsarbeit.
Die Wahrnehmung, dass nachfolgende Generationen unreifer wirken oder sich vor Verantwortung drücken, ist historisch allerdings kein neues Phänomen. Schon in der Antike beklagten Denker den Sittenverfall und die mangelnde Disziplin der Jugend. Heute verschwimmen die Grenzen zwischen den Lebensphasen fließender als früher, was sowohl als Gewinn an individueller Freiheit als auch als Verlust von Orientierung gedeutet werden kann".
Generationen im Laufe sich verändernder Zeiten zu vergleichen, ist wie Äpfel für Birnen zu halten. Wer die Halbstarken von damals heute wieder zu erkennen glaubt, versteht die Menschen nicht. Nein, heute soll die Jugend erwachsen sein, stark, und hat es in Wirklichkeit schwer, halbstark zu beginnen. Dies schafft Unsicherheit, Brandmauern, woran auch ein 70-jähriger Kanzler zu scheitern scheint.
Der stoische Philosoph Seneca sah das Problem beim Übergang von der Jugend zum Erwachsenwerden vor allem in der mangelnden emotionalen und geistigen Reife, gepaart mit einer Fehleinschätzung der Lebenszeit. In seinen Epistulae morales ad Lucilium beschreibt er diesen Konflikt anhand mehrerer Kernprobleme: Jugendliche neigen dazu, das Leben als unendlich und selbstverständlich anzusehen. Sie verschwenden Zeit und schieben das eigentliche 'Leben' und die persönliche Weiterentwicklung auf ('Dum differtur, vita transcurrit' – 'Während man es aufschiebt, vergeht das Leben'). In Brief 4 und Brief 26 betont er, dass das bloße Erreichen des Erwachsenenalters oder das Ablegen der Knabentoga den Menschen noch lange nicht weise oder reif macht. Der Körper altert von allein, aber die Seele und die Vernunft (Ratio) müssen aktiv geschult werden.
Die Jugend ist für Seneca von unkontrollierten Emotionen, Trieben, Impulsivität und der Gier nach Status oder Vergnügen geprägt. Das Erwachsenwerden ist der mühsame Prozess, diese inneren "Stürme" zu überwinden und zur stoischen Gelassenheit (Ataraxie) zu gelangen.Zusammenfassend ist das Erwachsenwerden für Seneca kein biologischer Automatismus, sondern eine bewusste philosophische Erziehungsaufgabe an sich selbst, bei der man lernen muss, die eigene Endlichkeit zu begreifen und die Vernunft über die Triebe zu stellen.
