KI meint: Luwig Uhlands Schwäbische Kunde ist keine Volksverhetzung
(gh) - Özdemir gegen Hagel, mehr fällt den Propagandisten zur heutigen Landtagswahl in Baden-Württemberg anscheinend nicht ein, wenn auch Demokratie normalerweise nicht von Einheitsmeinung lebt, schon gar nicht linksgrüner. Ob ein Moslem neuer Ministerpräsident und ein heimischer Dichter verboten wird, verboten werden muss - beispielsweise wegen Volksverhetzung? Ludwig Uhland könnte vielleicht vom Glück früher Geburt zehren, wenn seine "Schwäbische Kunde" die Justiz auf den Plan riefe. KI aber gibt Entwarnung.
'Schwäbische Kunde' von Ludwig Uhland wird nach allgemeiner rechtlicher und literaturwissenschaftlicher Auffassung nicht als Volksverhetzung eingestuft.
Hier sind die wichtigsten Gründe für diese Einordnung: Historischer Kontext: Das Gedicht entstand 1814/15 und thematisiert den Dritten Kreuzzug von Kaiser Barbarossa. Es ist ein Werk der Romantik, das historische Stoffe nutzt, um ritterliche Tugenden und regionalen Stolz (den „Schwabenstreich“) darzustellen.
Ludwig Uhland

Schwäbische Kunde
Von Ludwig Uhland
Als Kaiser Rotbart lobesam
zum heil'gen Land gezogen kam,
da mußt' er mit dem frommen Heer
durch ein Gebirge wüst und leer.
Daselbst erhob sich große Not.
Viel Steine gab's und wenig Brot.
Und mancher deutsche Reitersmann
Hat dort den Trunk sich abgetan.
Den Pferden ward so schwach im Magen,
fast mußt der Reiter die Mähre tragen.
Nun war ein Herr aus Schwabenland,
von hohem Wuchs und starker Hand.
Des Rößlein war so krank und schwach,
er zog es nur am Zaume nach.
Er hätt' es nimmer aufgegeben,
und kostet's ihn das eig'ne Leben.
So blieb er bald ein gutes Stück
hinter dem Heereszug zurück.
Da sprengten plötzlich in die Quer
fünfzig türkische Reiter daher!
Die huben an, auf ihn zu schießen
nach ihm zu werfen mit den Spießen.
Der wackre Schwabe forcht' sich nit,
ging seines Weges Schritt vor Schritt,
ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
und tät nur spöttlich um sich blicken,
bis einer, dem die Zeit zu lang,
auf ihn den krummen Säbel schwang.
Da wallt dem Deutschen auch sein Blut.
Er trifft des Türken Pferd so gut,
er haut ihm ab mit einem Streich
die beiden Vorderfüß zugleich.
Als er das Tier zu Fall gebracht,
da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
er schwingt es auf des Reiters Kopf,
haut durch bis auf den Sattelknopf,
haut auch den Sattel noch zu Stücken
und tief noch in des Pferdes Rücken.
Zur Rechten sah man wie zur Linken
einen halben Türken heruntersinken.
Da packt die andern kalter Graus,
sie fliehn in alle Welt hinaus,
und jedem ist's, als würd ihm mitten
durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.
Drauf kam des Wegs 'ne Christenschar,
die auch zurückgeblieben war;
die sahen nun mit gutem Bedacht,
welch Arbeit unser Held gemacht.
Von denen hat's der Kaiser vernommen,
der ließ den Schwaben vor sich kommen;
er sprach: »Sag an, mein Ritter wert!
Wer hat dich solche Streich gelehrt?«
Der Held besann sich nicht zu lang:
»Die Streiche sind bei uns im Schwang!
Sie sind bekannt im ganzen Reiche;
man nennt sie halt nur Schwabenstreiche!«
(1814)
