(gh) - Da steht er nun, der Kanniverstan, vor der Kreissparkasse i n Tuttlingen, und schaut hinauf, wo auf einem Balkon ein paar Gestalten herumturnen, alle von einem einheimischen Bildhaier geschaffen und Symbol von Unverstand, das den deutschen Adler ersetzen könnte.Denn herrscht nicht Kannitverstan in diesem unseren Lande?
"Die lebensgroße Bronzeplastik vor der Hauptstelle der Kreissparkasse Tuttlingen heißt tatsächlich 'Kannitverstan' und wurde 1982 von dem Tuttlinger Bildhauer Roland Martin geschaffen". bestätigt KI.
Sie zeigt einen staunenden Handwerksburschen auf Wanderschaft, der mit leicht geöffnetem Mund nach oben blickt. Auf den Balkonen des Sparkassengebäudes befinden sich als Gegenstück fünf weitere Figuren des Künstlers, die zu ihm herabschauen.
Die Skulpturengruppe greift ein berühmtes literarisches Motiv auf, das jedoch weniger für politischen Unverstand im heutigen Sinne steht, sondern eine philosophische und humorvolle Note besitzt: Der literarische Hintergrund: Roland Martin bezieht sich auf die bekannte Kalendergeschichte 'Kannitverstan' von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1808. In dieser reist ein Handwerksbursche aus Tuttlingen nach Amsterdam. Weil er der niederländischen Sprache nicht mächtig ist, versteht er die Antworten der Einheimischen nicht. Auf seine Fragen, wem die prachtvollen Häuser, die großen Schiffe und schließlich ein teurer Leichenzug gehören, antworten die Passanten stets mit 'Ik kan niet verstaan' ('Ich kann Sie nicht verstehen'.Das Missverständnis: Der Handwerksbursche glaubt, all dieser unermessliche Reichtum gehöre einem einzigen, mächtigen Mann namens 'Herr Kannitverstan'.
Als er am Ende sieht, dass auch dieser vermeintliche Krösus zu Grabe getragen wird, erkennt er die Vergänglichkeit alles Irdischen. Er wird mit seiner eigenen, bescheidenen Lebenssituation wieder vollkommen zufrieden.
Ihre ironische Parallele, ob dieser 'Kannitverstan' heute sinnbildlich als Wappentier taugt und das Land regiert, spiegelt genau den humorvollen Kern der Geschichte wider: Es geht um das Aneinandervorbeireden, das Missverstehen der Welt und die Kunst, trotz allgemeiner Verwirrung am Ende seinen eigenen Frieden zu finden.
In Tuttlingen ist die Figur übrigens so beliebt, dass die Stadt ihr wichtigstes Ehrengeschenk Kannitverstan nach ihr benannt hat".
Der Clöu des Tuttlinger Kannitverstan soll hier nicht verschwiegen werden. Johann Peter Hebel hat die Anekdote einem französichem Autoren geklaut und sich mit fremden Federn geshmückt.