
Was ist uns der Wald wert, wenn er nur so rumsteht?
Hier gibt es die unterschiedlichsten Interessen, ein Waldbesitzer will ihn erhalten und wirtschaftlich nutzen, die Holzwirtschaft braucht den Rohstoff, die Menschen suchen im Wald Ruhe und Erholung. Schwierig wird es, wenn verschiedene Ansprüche aufeinanderprallen.
Immer mehr Menschen entdecken den Wald neu. Die Zeit mit Corona war hier besonders wertvoll. Als die eigenen vier Wände plötzlich zum Gefängnis wurden, bot er Zuflucht: raus aus den engen Räumen. Zwischen Homeoffice, Homeschooling und Haushalt saßen Mama, Papa und die Kinder auf engstem Raum zusammen. Ein Waldspaziergang tat gut – man konnte es spüren: Der Kopf wurde frei, wir kamen zur Ruhe und fanden wieder Boden unter den Füßen.
Auch in diesem Hitzesommer war es wunderbar im Wald: angenehm kühl durch den Schatten der Bäume und die Verdunstung der Pflanzen. Auch die Gerüche von Harz, Erde, Moos und Blättern haben durch ihre ätherischen Pflanzenstoffe eine erstaunliche Wirkung auf uns Menschen. Eine wunderbare Kombination aus körperlichem und emotionalem Wohlbefinden.
Wir wissen um die wohltuende Wirkung der Natur, besonders des Waldes. Der Alltag hält uns oft fest: Wir sitzen in geheizten Räumen, fahren klimatisierte Autos und halten Kälte, Hitze, Regen und Wind möglichst fern von uns. Fast scheint es, als müssten wir uns vor der Natur schützen.
Indigene Völker pflegen mit der Natur eine andere Beziehung. Für sie ist er Lebensraum und Teil der eigenen Identität, sie stehen mit ihr in Verbindung, sie wollen nicht "beherrschen". Über Generationen hinweg wird detailliertes Wissen über Pflanzen, Tiere, Böden und Jahreszeiten weitergegeben. Sie kennen schon lange Zusammenhänge, mit der sich mittlerweile auch unsere Wissenschaft beschäftigt. Für alle, die erst glauben, was sich messen lässt, gibt es inzwischen reichlich Studien. Denn was der Bauch längst weiß, muss der Kopf offenbar erst in Zahlen nachlesen.
Oder frag doch einfach mal deine Oma. Sie wusste, was im Wald wächst und wofür es gut ist. Tannennadeln, Honig – daraus wurde Medizin. Selbst gemacht.
Und heute? Wenn in der Apotheke plötzlich etwas fehlt – wissen wir noch, was uns der Wald schenkt? Wissen wir noch wie man Salben oder Tinkturen herstellt?
Vielleicht ist es an der Zeit, genauer hinzuschauen. Denn was auch für die ältere Generation selbstverständlich war, entdecken wir heute neu: Waldbaden, nennt sich diese bewusste Zeit im Wald. Nicht einfach spazieren gehen, sondern ankommen, wahrnehmen, langsamer werden. Den Duft von Erde und Holz einatmen, das Licht zwischen den Bäumen sehen, den Wind auf der Haut spüren.
Waldbaden einmal bewusst und mit Anleitung erleben – und das direkt vor unserer Haustür. Warum eigentlich nicht?
Gehen wir also in den Wald. Nicht, um vor unserem Leben davonzulaufen. Sondern, damit wir mit dem Leben ein bisschen besser zurechtkommen.
