Alexis de Tocqueville warnte vor Gefahren der Tyrannei in der Demokratie

(gh) - Wer heute die Völkerschlachten erlebt, oft auch im Zeichen einer sogenannten Demokratie, sieht sich an einen Franzosen des 19. Jahrhunderts erinnert. Alexis de Tocqueville sah die Demokratie als unaufhaltsamen historischen Wandel hin zu einer Gleichheit der Bedingungen, warnte jedoch gleichzeitig vor der Gefahr einer Tyrannei der Mehrheit und politischer Indifferenz. Wobei er wohl gar nicht auf die Idee kam, dass es auch eine Tyrannie der Minderheit geben könnte. Immer nur eine Frage der Macht.
In seinem bekannten Werk "Über die Demokratie in Amerika" analysierte der französische Denker die Chancen und Risiken der modernen Demokratie. Er betrachtete
die Gleichheit als Grundprinzip. Demokratie war für ihn weniger eine Staatsform, sondern ein gesellschaftlicher Zustand.
Die Demokratie breche mit den alten, starren Hierarchien des Feudalismus und Adels, in denen die Stellung des Menschen durch Geburt festgelegt war. Er warnte davor, dass eine demokratische Mehrheit die individuelle Freiheit und abweichende Meinungen unterdrücken könne. Diese Tyrannei der Mehrheit wirke oft nicht durch physische Gewalt, sondern durch sozialen Konformitätsdruck und eine herrschende öffentliche
Der Drang nach Gleichheit könne zu übertriebenem Individualismus führen, bei dem sich Bürger aus dem öffentlichen Leben in die private Sphäre zurückziehen. Wenn die Bürger politisch lethargisch würden, drohe eine schleichende Machtübernahme durch einen Despotismus, der die Menschen zwar versorge, aber ihrer Mündigkeit beraube.
Für Tocqueville ist Demokratie nicht von Natur aus stabil, sie erfordere aktive Mitwirkung. Gegensteuern lasse sich durch starke lokale Selbstverwaltung, freie Vereinigungen, Zivilgesellschaft sei ein Trainingslager für Demokratie), eine unabhängige Justiz und eine freie Presse.
