
Erinnerungskultur – ja das ist wichtig und richtig!
Wir müssen uns erinnern – jeden Tag. In meinem Vaterland pflegt man KZ-Denkstätten, hält Gedenktage ab, lehrt die Geschichte in Schulen. Wir sehen Bilder ausgemergelter Menschen, besuchen Orte, an denen unfassbares Leid geschah. Manche dieser Bilder bekomme ich nicht aus dem Kopf – und das ist gut so. Denn genau so verhindert Erinnerung, dass wir vergessen. Unser Geist braucht Wiederholung, um Geschichte lebendig zu halten um aus ihr zu lernen.
Für meinen kleinen Kopf gibt es nun ein neues Datum, ein neues einschneidendes Erlebnis weltweit: der 11. März 2020. An diesem Tag erklärte die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch eines Virus offiziell zur Pandemie – ein Moment, der die Welt in ein „Davor“ und „Danach“ teilte.
Anscheinend ist unser aller Hirn geschrumpft, es gibt dazu noch keine neuen Daten, Zahlen und Fakten. Keine Erinnerungskultur oder eine Aufarbeitung. Dafür haben wir eine neue Skala geschaffen in: Davor oder Danach.
Krass – es gibt Kinder, die kennen ein Davor gar nicht!
Sie kennen mein DAVOR nicht, ich bin ein Kind der 80er Jahre. Geboren in 1971, eine Zeit der grenzenlosen Freiheit mein Kinderzimmer war bunt und heimelig, und das wahre Abenteuer begann draußen: Straßen, Wälder und Wiesen waren unser Spielplatz. Man konnte stundenlang mit Freunden Fahrrad fahren, Verstecken spielen oder Baumhäuser bauen, das war einfach eine schöne Zeit, wir haben gemeinsam gelacht und entdeckt, es gab nur eine einzige Regel von Vater und Mutter: Bevor es dunkel wird, bitte zuhause sein. So war es. Ganz einfach – ganz normal.
Heute erinnere ich mich. Dieses Leben als Kind ist mittlerweile ein Teil meiner Vergangenheit. Ich habe gelebt mit viele Freude am Leben, leider ohne BeWussSein! Das macht mich traurig, dabei blicke ich in Augen von einem Jugendlichem mit demselben traurigen Blick.
Da macht plötzlich jemand das LICHT an! Ich werde mir meiner Verantwortung bewusst.
Wir hatten echten Raum, um zu wachsen.
Wir durften auf Erkundungstour – Wir waren selbstbestimmt und kreativ, manchmal brauchte es Mut und Eigeninitiative, denn es lief auch damals nicht alles glatt. Hin und wieder verlor einer das Gleichgewicht und fiel in den Bach. Wir waren keine homogene Truppe – und gerade das machte uns stark: Jeder konnte etwas anderes, was der andere nicht wusste, und so lachten wir zusammen, stritten, schubsten uns durch unser Revier, prügelten uns manchmal, aber hielten immer zusammen, wenn es darauf ankam.
Freundschaft bedeutet nicht Einigkeit, sondern Zusammenhalt, selbst im Streit.
Auch das ist uns verlorengegangen – BITTE Erinnert Euch! Was haben WIR alles geschaffen? Unmögliches möglich gemacht! Einfach so…. weil wir es konnten.
Schaffen wir neue Erinnerungskultur?! Schaffen wir eine neue Streitkultur!?
Wir sollten uns nicht spalten lassen, kein Thema sollte das schaffen.
Die Welt soll bunt sein? Wir streiten, als hätte jemand alle Farben verboten, als gäbe es nur Schwarz und Weiß!
