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Auch fremdeln?

Die Amerikaner bestimmen, wie Deutsch gesprochen wird

Von David Cohnen

Wie eine Sprache durch gedankenlose Übernahme fremder Sprachgewohnheiten verunstaltet wird

Man könnte meinen, die deutsche Sprache sei inzwischen Eigentum der Amerikaner. Zumindest scheint man sich in Deutschland zunehmend daran zu orientieren, wie Amerikaner sprechen, welche Begriffe sie verwenden und wie sie ihre Gedanken formulieren. Dass dabei die Eigenheiten und Bedeutungsunterschiede der deutschen Sprache verloren gehen, scheint kaum jemanden zu interessieren. Schlimmer noch: Die sprachlichen Verirrungen werden von deutschen Medien, Rundfunk- und Fernsehsendern bereitwillig übernommen und einem Millionenpublikum als selbstverständlicher Sprachgebrauch präsentiert.

Dabei wäre es eigentlich ganz einfach, sich zunächst einmal mit der eigenen Sprache auseinanderzusetzen.

Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die Antwort auf ein ausgesprochen alltägliches Wort: „Dankeschön“.

Die deutsche Antwort darauf lautet traditionell „Bitteschön“, „Bitte sehr“ oder „Gern geschehen“. Wer allerdings den Google Übersetzer bemüht, erlebt eine bemerkenswerte Überraschung. „Bitteschön“ wird bei isolierter Eingabe mit „please“ übersetzt, „Bitte sehr“ dagegen mit „you're welcome“. Übersetzt man „you're welcome“ zurück ins Deutsche, erhält man „Gern geschehen“.

Eine weitere englische Formulierung, die in diesem Zusammenhang gebräuchlich ist, lautet „My pleasure“ oder „It's my pleasure“. Diese Wendungen werden mit „Es war mir ein Vergnügen“ übersetzt.

Hier könnte auch der Ursprung für die zunehmende Verwendung des alleinstehenden „Gerne“ im deutschen Sprachgebrauch liegen. Es besteht zumindest der Verdacht, dass eine englische Höflichkeitsformel zunehmend wörtlich in die deutsche Umgangssprache übertragen wird.

Man muss sich diese sprachliche Entwicklung einmal vor Augen führen: Während im Deutschen seit Generationen mit „Bitteschön“ oder „Bitte sehr“ auf ein Dankeschön geantwortet wird, orientiert man sich heute offenbar zunehmend an englischen Höflichkeitsformeln. Dass diese Wendungen nicht ohne Weiteres wörtlich übersetzbar sind, scheint dabei niemanden zu interessieren.

Natürlich kann ein Mensch, der Deutsch als Fremdsprache erlernt, zunächst Schwierigkeiten haben, die Bedeutung von „Bitteschön“ oder „Bitte sehr“ zu verstehen. Aber das ist kein Grund, unsere Sprache seinen sprachlichen Gewohnheiten anzupassen. Schließlich muss auch ein Deutscher, der Englisch lernt, die englischen Höflichkeitsformeln erst einmal verstehen und erlernen.

Offensichtlich hat man sich daran gewöhnt, englische Ausdrucksweisen zu übernehmen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie überhaupt der deutschen Sprachtradition entsprechen.

Ein weiteres Beispiel ist das englische Verb „to touch“. Der Google Übersetzer liefert dafür unter anderem die deutschen Wörter „anfassen“ und „berühren“. Übersetzt man umgekehrt beide deutschen Wörter ins Englische, erhält man wiederum „touch“.

Für Amerikaner mag das ausreichen. Für die deutsche Sprache reicht es nicht.

Anfassen und berühren sind keineswegs dasselbe. Wer etwas anfasst, stellt in der Regel einen bewussten körperlichen Kontakt her. Berühren kann dagegen bereits durch einen flüchtigen, oberflächlichen Kontakt geschehen. Es handelt sich um unterschiedliche Handlungen mit unterschiedlichen Bedeutungsinhalten.

Noch deutlicher wird die Problematik bei emotionalen Empfindungen. „Ich bin berührt“ und „Ich bin gerührt“ beschreiben nicht einfach zwei beliebig austauschbare Zustände. Sie besitzen unterschiedliche Bedeutungsnuancen. Wer gerührt ist, empfindet eine emotionale Bewegung, die häufig mit Anteilnahme, Freude oder innerer Ergriffenheit verbunden ist. Wer berührt ist, kann sich emotional angesprochen oder innerlich bewegt fühlen.

Der Google Übersetzer liefert bei Eingabe des deutschen Satzes „Ich bin angefasst“ als englische Übersetzung „I am touched“.

Genau darin liegt die Problematik: Das englische Wort „touched“ wird hier als Entsprechung für „angefasst“ verwendet, obwohl im Deutschen zwischen Anfassen und Berühren eine klare Bedeutungsunterscheidung besteht. Die englische Übersetzung verwischt diesen Unterschied und macht damit eine sprachliche Gleichsetzung, die dem herkömmlichen deutschen Sprachgebrauch nicht entspricht.

Wenn nun die englische Formulierung „I am touched“ als sprachliches Vorbild für eine deutsche Ausdrucksweise dient, kann daraus die missverständliche Formulierung „Ich bin angefasst“ entstehen. Eine solche Übernahme englischer Sprachmuster trägt dazu bei, dass ungewohnte und unpassende Ausdrucksweisen Eingang in den deutschen Sprachgebrauch finden.

Damit wird ausgerechnet die sprachliche Fehlentwicklung, die wir kritisieren, durch die englische Übersetzung scheinbar bestätigt. Drei unterschiedliche deutsche Ausdrucksweisen werden auf einen englischen Begriff reduziert. Und anschließend wird dieser englische Begriff wieder als Rechtfertigung für die Verwendung der ursprünglichen deutschen Wörter herangezogen.

Diese Ausdrucksweise, dass jemand emotional „angefasst“ sei, ist mir erstmals im Zusammenhang mit Markus Lanz begegnet. Inzwischen wird sie immer häufiger verwendet. Offenbar genügt es, dass ein prominenter Fernsehmoderator eine Formulierung benutzt, damit sie von anderen übernommen und nachgeplappert wird. Dass sie dem gewohnten deutschen Sprachgebrauch nicht entspricht, scheint dabei keine Rolle mehr zu spielen.

Man kann natürlich jede sprachliche Veränderung nachträglich als neue Ausdrucksform deklarieren. Wenn etwas nur oft genug wiederholt wird, findet es irgendwann möglicherweise sogar Eingang in den Duden. Aber seit wann ist die Häufigkeit einer sprachlichen Fehlentwicklung ein Beweis für deren Qualität?

Der Duden beschreibt Sprachgebrauch. Er ist keine Instanz, die aus jeder häufig wiederholten sprachlichen Unsitte eine sprachliche Verbesserung macht.

Die Verunstaltung der deutschen Sprache beschränkt sich allerdings keineswegs auf einzelne Verben oder Redewendungen.

Ein besonders schönes Beispiel ist der Begriff „soziale Netzwerke“. Hier wurde der englische Ausdruck „Social Networks“ praktisch unverändert ins Deutsche übertragen. Dabei wäre „gesellschaftliches Netzwerk“ die treffendere Übersetzung. Das englische Wort „social“ hat nämlich nicht ausschließlich die Bedeutung „sozial“ im deutschen Sinne, sondern bezeichnet auch gesellschaftliche Beziehungen und das gesellschaftliche Miteinander.

Im klassischen deutschen Sprachverständnis besitzt das Wort „sozial“ eine ausgeprägte mitmenschliche Komponente. Es bezeichnet insbesondere das Verhältnis zu anderen Menschen, die Anteilnahme, das Zusammenleben und die Verantwortung füreinander. Ein Netzwerk von gesellschaftlichen Kontakten ist deshalb nicht automatisch ein soziales Netzwerk im deutschen Sinne.

Ein gesellschaftliches Netzwerk beschreibt dagegen ein Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen und Kontakte. Genau das ist gemeint, wenn von Social Networks die Rede ist.

Anstatt sich mit solchen Bedeutungsunterschieden auseinanderzusetzen und eine sprachlich angemessene deutsche Übersetzung zu wählen, hat man den englischen Ausdruck einfach übernommen. Offenbar war es wichtiger, sich dem internationalen Sprachgebrauch anzupassen, als die Möglichkeiten der eigenen Sprache auszuschöpfen.

Ähnlich verhält es sich mit Begriffen wie „Community“, „Mindset“, „Awareness“ oder „Commitment“. Für fast jeden dieser Begriffe existieren deutsche Wörter, die den gemeinten Sachverhalt verständlich und häufig sogar präziser beschreiben: Gemeinschaft, Denkweise, Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Verpflichtung oder Engagement.

Aber offenbar gilt inzwischen: Was englisch klingt, muss modern sein. Was deutsch klingt, ist offenbar nicht mehr zeitgemäß.

Hinzu kommt die zunehmende Verwendung von Wörtern, die zwar einen lateinischen Ursprung besitzen, aber durch den englischen Sprachgebrauch in einer Häufigkeit und Selbstverständlichkeit ins Deutsche gelangen, die früher keineswegs üblich war. „Essenziell“ ist dafür ein Beispiel. Warum muss es unbedingt essenziell heißen, wenn wesentlich, entscheidend oder unverzichtbar den Sachverhalt ebenso gut oder sogar verständlicher ausdrücken?

Wie weit diese sprachliche Nachlässigkeit inzwischen geht, zeigt eine Formulierung, welche die Fernsehmoderatorin Ilmer verwendete: „Das ist essenziell wichtig.“

Offensichtlich wird nicht einmal mehr bemerkt, dass hier zwei Begriffe miteinander kombiniert werden, die im Wesentlichen dasselbe ausdrücken. Essenziell bedeutet bereits wesentlich, grundlegend oder unverzichtbar. Wenn etwas essenziell ist, muss es nicht zusätzlich noch wichtig sein. Aber offenbar reicht ein einzelnes Wort nicht mehr aus, um eine Aussage eindrucksvoll genug erscheinen zu lassen.

Es geht dabei nicht darum, jeden Fremdwortgebrauch zu verdammen. Eine Sprache lebt von Veränderungen und entwickelt sich weiter. Fremdwörter können eine sinnvolle Bereicherung sein, wenn sie tatsächlich etwas ausdrücken, wofür ein treffender deutscher Begriff fehlt. Aber genau das ist bei vielen der heute verwendeten Begriffe nicht der Fall.

Das eigentliche Problem ist die Gedankenlosigkeit, mit der sprachliche Veränderungen übernommen werden.

Besonders ärgerlich ist dabei die Rolle der deutschen Medien. Rundfunk- und Fernsehsender, die eigentlich auch eine Verantwortung für die Pflege und den angemessenen Gebrauch der deutschen Sprache haben sollten, wirken zunehmend als Multiplikatoren sprachlicher Fehlentwicklungen. Moderatoren, Journalisten und Kommentatoren übernehmen Formulierungen, ohne deren Bedeutung und Herkunft zu hinterfragen. Was heute in einer Talkshow ausgesprochen wird, findet sich morgen in anderen Sendungen und übermorgen im allgemeinen Sprachgebrauch wieder.

Der Zuschauer und Zuhörer übernimmt, was ihm täglich präsentiert wird. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Sprache findet kaum statt.

Wenn die eigene Sprache zur Fremdsprache wird

Besonders problematisch ist diese Entwicklung für einen Teil der deutschen Bevölkerung, der in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung findet. Gemeint sind Menschen, die mit einem regionalen Dialekt aufgewachsen sind und sich das überregionale Hochdeutsch erst im Laufe ihres Lebens angeeignet haben. Für viele von ihnen war es keineswegs selbstverständlich, die deutsche Standardsprache sicher zu beherrschen. Sie haben sich bemüht, ihre regionale Ausdrucksweise zurückzustellen, um sich überregional verständigen und am gesellschaftlichen Leben uneingeschränkt teilnehmen zu können.

Viele dieser Menschen sind froh, endlich ein gutes Hochdeutsch zu beherrschen. Und nun werden sie mit einer Sprache konfrontiert, die sich zunehmend von dem Deutsch unterscheidet, das sie mühsam erlernt haben. Englische Rückübersetzungen, veränderte Wortbedeutungen und sprachliche Konstruktionen, die sich nicht ohne Weiteres in die deutsche Sprache einfügen, werden ihnen als selbstverständlicher moderner Sprachgebrauch präsentiert.

Das betrifft keineswegs nur die ältere Generation oder Menschen mit ausgeprägtem Dialekthintergrund. Auch jüngere Menschen und Muttersprachler, die sich im privaten Umfeld selbstverständlich im Dialekt unterhalten, müssen sich im überregionalen Sprachgebrauch mit diesen Veränderungen auseinandersetzen.

Man sollte sich einmal überlegen, was das bedeutet: Menschen haben sich über Jahre bemüht, eine gemeinsame Sprache zu erlernen, um sich unabhängig von ihrer regionalen Herkunft verständigen zu können. Und ausgerechnet die Medien, die eigentlich eine gemeinsame sprachliche Verständigungsgrundlage gewährleisten sollten, verändern diese Sprache fortlaufend durch die Übernahme fremder Ausdrucksweisen und Bedeutungen.

Ich halte es durchaus für möglich, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung inzwischen Schwierigkeiten hat, den sprachlichen Ausführungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk uneingeschränkt zu folgen. Eine belastbare Größenordnung müsste allerdings erst ermittelt werden. Dass solche Verständigungsschwierigkeiten existieren, lässt sich bereits im alltäglichen Sprachgebrauch beobachten.

Man begegnet immer wieder Menschen, die Wörter verwenden, die zwar modern und gebildet klingen sollen, in den jeweiligen Zusammenhang aber überhaupt nicht passen. Offenbar werden Begriffe übernommen, ohne dass ihre eigentliche Bedeutung verstanden oder ihre Eignung für den jeweiligen Zusammenhang geprüft wird. Das Ergebnis ist eine Sprache, die nicht unbedingt mehr aussagt, sondern häufig weniger verständlich wird.

Eine zusätzliche Verschärfung erfährt dieses Problem durch die sprachliche Situation der Menschen mit Migrationshintergrund.

In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen, die selbst zugewandert sind oder einen Migrationshintergrund haben. Ein Teil von ihnen beherrscht die deutsche Sprache auch nach vielen Jahren in Deutschland nicht oder nur rudimentär. Bereits unter diesen Voraussetzungen bestehen erhebliche sprachliche und kommunikative Schwierigkeiten im alltäglichen Zusammenleben.

Eine gemeinsame Sprache ist jedoch die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Menschen miteinander kommunizieren, Informationen aufnehmen, Sachverhalte verstehen und gesellschaftlich am Leben teilnehmen können.

Wenn nun ausgerechnet die Sprache, die diese Verständigung ermöglichen soll, fortlaufend durch fremde Sprachkonstruktionen, veränderte Wortbedeutungen und unnötige Anglizismen verändert wird, verschärft das die vorhandenen Probleme zusätzlich.

Wer ohnehin Schwierigkeiten hat, die deutsche Sprache sicher zu beherrschen, wird kaum davon profitieren, wenn vertraute deutsche Begriffe plötzlich eine andere Bedeutung erhalten oder durch englisch geprägte Ausdrucksweisen ersetzt werden. Was für den einen lediglich eine moderne Formulierung darstellt, kann für den anderen zu einer zusätzlichen Verständnishürde werden.

Man kann nicht einerseits gesellschaftliche Integration und bessere Verständigung fordern und andererseits eine Sprache fördern, die selbst für Muttersprachler zunehmend an Eindeutigkeit und Verständlichkeit verliert.

Damit wird ausgerechnet das Gegenteil dessen erreicht, was eine gemeinsame Hochsprache leisten sollte: Sie soll Menschen unterschiedlicher regionaler, gesellschaftlicher und kultureller Herkunft miteinander verbinden. Stattdessen entstehen neue Verständigungshürden, die nicht durch unterschiedliche Dialekte oder Herkunftssprachen, sondern durch eine künstlich veränderte Standardsprache verursacht werden.

Sprache ist auch ein Werkzeug des Denkens

Dabei geht es um mehr als um ein paar falsch verwendete Wörter. Sprache ist nicht lediglich ein Transportmittel für Informationen. Sie ist auch ein Werkzeug des Denkens. Wer über differenzierte Begriffe verfügt, kann Gedanken präziser formulieren und Sachverhalte genauer unterscheiden. Werden Bedeutungsunterschiede eingeebnet, geht ein Stück sprachlicher Differenzierungsfähigkeit verloren.

Man sollte sich deshalb fragen, wohin diese Entwicklung führt. Wenn selbst einfache sprachliche Unterscheidungen nicht mehr beachtet werden, wenn englische Begriffe gedankenlos übernommen und deutsche Ausdrucksweisen durch vermeintlich modernere Varianten ersetzt werden, dann ist das keine Bereicherung der Sprache. Es ist ihre schleichende Verarmung.

Das eigentlich Bedauerliche daran ist, dass viele Menschen diese Entwicklung gar nicht mehr wahrnehmen. Sie halten das, was sie täglich hören, für selbstverständlich und richtig. Wer dagegen auf sprachliche Unterschiede hinweist, gilt schnell als kleinlich, rückständig oder pedantisch.

Dabei wäre es durchaus angebracht, gelegentlich innezuhalten und sich zu fragen, ob man eigentlich noch weiß, was man sagt.

Eine Sprache muss sich entwickeln dürfen. Sie muss sich aber nicht jedem fremden Sprachmuster unterwerfen. Und schon gar nicht sollte man aus bloßer Bequemlichkeit oder gedankenloser Nachahmung ihre Eigenheiten und ihre Ausdrucksmöglichkeiten preisgeben.

Wenn wir schon nicht mehr in der Lage sind, unsere eigene Sprache angemessen zu gebrauchen, sollten wir wenigstens aufhören, uns einzubilden, wir würden sie dadurch modernisieren.

Sprache ist weit mehr als ein Mittel zur Verständigung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Kultur und der Identität eines Landes. In ihr spiegeln sich die Geschichte, die Traditionen, die Denkweise und die kulturelle Entwicklung seiner Bevölkerung wider. Wer eine Sprache mutwillig verändert, ihre Eigenheiten beseitigt und ihre gewachsenen Ausdrucksmöglichkeiten durch fremde Sprachmuster ersetzt, beschädigt deshalb nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern greift einen wesentlichen Bestandteil der nationalen Identität an.

Nimmt man hinzu, dass auch die historische Überlieferung und das Bewusstsein für die eigene Geschichte zunehmend an Bedeutung verlieren, ergibt sich ein noch weitreichenderes Problem. Ein Land besteht schließlich nicht nur aus seinem Staatsgebiet und seinen politischen Institutionen. Es wird auch durch seine Sprache, seine Geschichte und seine kulturelle Identität geprägt. Gehen diese Gemeinsamkeiten verloren, bleibt zwar das Land auf der Landkarte bestehen, aber es ist kulturell nicht mehr dasselbe Land. Es hat einen wesentlichen Teil seiner Identität verloren.

PS: Die Fähigkeit, Sprache differenziert zu verstehen und anzuwenden, ist eng mit kognitiven Fähigkeiten verbunden. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung für die Vermittlung von Wissen, das Erfassen komplexer Zusammenhänge und die Entwicklung eigenständigen Denkens. Wer sich vertiefend mit der Bedeutung kognitiver Fähigkeiten für die Entwicklung von Gesellschaften beschäftigen möchte, findet dazu weitere Überlegungen in meinem Buch Kognitive Intelligenz – Die Bedeutung kognitiver Fähigkeiten für die Entwicklung von Gesellschaften.

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