Die selbsternannte „Mitte“ im Zweifrontenkrieg
Von WOLFGANG HÜBNER
Wer ist eigentlich die vielbeschworene „Mitte“ in Deutschland? Zwei glauben genau zu wissen, diese „Mitte“ zu sein: Politisch die Unionsparteien CDU/CSU und gesellschaftlich die besitzende und tonangebende Schicht. Beide sind vereint in einem aggressiver werdenden Zweifrontenkrieg: CDU/CSU, unterstützt vom grün-sozialdemokratischen Parteienblock, gegen die AfD; die Besitzenden, unterstützt von CDU/CSU und den übriggebliebenen Liberalen, gegen die linken Enteignungsdrohungen. Doch ist die Beanspruchung der „Mitte“ sowohl von den einen wie den anderen überhaupt noch gerechtfertigt?
Schauen wir näher hin: CDU/CSU sind laut Umfragen nicht mehr die stärkste politische Kraft im Land, schon gar nicht im Osten. Die Union dominiert nur noch bei den Rentnern und Pensionären, von denen es in der vergreisenden Republik allerdings viele gibt. Bei den noch im Arbeitsleben stehenden Jahrgängen, also den Leistungsträgern im Staat, liegt die AfD klar vorn. Folglich kann sich diese Partei mit einigem Recht als neue politische Mitte bezeichnen. Ausgerechnet die faktische Mitte mit „Brandmauern“ und Diskriminierung zu bekämpfen, dürfte nicht sehr erfolgsversprechend sein.
Wie steht es um den „Mitte“-Anspruch der Besitzenden und Bestimmenden? Auch nicht gut. Denn im Land der Mietermehrheit und der Mehrzahl allein vom Arbeitseinkommen ihren Lebensunterhalt bestreitenden Menschen ist die besitzende Schicht, also die Deutschen mit hohem Finanzvermögen und/oder größerem Einkommen aus Immobilienbesitz, eine Minderheit. Deren Zahl reicht nicht für den Platz in der sozioökonomischen Mitte. Und noch geringer ist die Zahl der bestimmenden Eliten und Entscheider in Wirtschaft, Medien, Kultur oder Wissenschaftsbetrieb.
Sie alle sehen sich sowohl der Enteignungsgefahr seitens der aus vielen jungen Menschen bestehenden erneuerten Linken ausgesetzt als auch der lästig empfundenen Kontrolle durch soziale Medien und modernste Kommunikationsmittel. Besitzende wie Bestimmende haben zweifellos so gut wie alle Machtfunktionen in Staat und Gesellschaft inne und werden diese Position auch unerbittlich verteidigen. Unumstritten ist ihr Status allerdings nicht mehr.
Die deutsche Rechte, die immer mehr zur neuen Mitte wird, sollte auf der Hut davor sein, sich aus verständlicher Gegnerschaft zur Linken sowohl von CDU/CSU sowie den derzeit Besitzenden und Bestimmenden im Staat zur Unterstützung der niedergehenden alten Mitte locken zu lassen. Denn es war und ist diese alte Mitte, die für die umfassende Misere in Deutschland vollverantwortlich gemacht werden muss. Naivität oder Freundlichkeit im Umgang mit den nationalen Versagern und Verderbern wird nicht belohnt, sondern nur ausgenutzt.
(pi-news.net)
